Venedig 2005 Vogalonga

 

Im Mai 2005 organisierte der KSF eine 14-tägige Fahrt nach Venedig. Höhepunkt auch dieser Fahrt war die Teilnahme an der Vogalonga, einer Veranstaltung für handgetriebene Boote, also Ruderboote, Drachenboote, Gondeln, Outriggers, Canadier und Kajaks. 2005 wurde die Vogalonga zum 31. Mal durchgeführt, es beteiligten sich etwa 1460 Boote mit ca. 5165 Teilnehmern. Hier nun unser Fahrtenbericht:

Sonntag, den 15.05.05
Vogalonga heißt nicht nur „langes Rudern“, sondern auch um 5 Uhr aufstehen, Brote und reichlich Getränke ins Boot packen und um 7 Uhr vom Strand starten. Ein Kreuzfahrer läuft mit uns nach Venedig ein und entzieht uns der Wasser. Auf die Sandbank wälzen sich, nachdem zunächst das Wasser fast alle Paddler auf den Sandbanks-Abwegen aufs Trocke-ne verfrachtete hatte, schwarze, sandige Wellen zu, ein echter Tsunami.

Wir landen wohlbehalten rechtzeitig am Ende des Parks, in dem immer die Biennale stattfin-det im Kanal und finden unsere Ausstiegsstelle wieder gut benutzbar, die Büsche reichlich gewachsen, gemütlich für einen ersten Stop. Neben uns ziehen sich die Herren aus Treporti um, die in Jeans hergeschleppt worden waren und die nun in ihre weiße Gondelkluft steigen. Zum Starten hielten wir uns eher rechts außerhalb und ließen die jungen Wilden und Schnel-len in der Innenkurve passieren. Auf den nächsten Kilometern sortierte sich das Feld. Nach einiger Zeit fuhr man letztlich mit in etwa den gleiche Booten im Konvoi. Gerade am Anfang gab es viele sandige Uferstellen zum Aussteigen, aber es passte nicht, war zu früh. Nachher wurde es eher schwieriger. Wir hatten uns auf der Kloinsel hinter Burano vor Murano verab-redet und haben dort dann auch ein kurzes Picknick zwischen Müll und Eidechsen genos-sen.

Hinter Murano war es noch mal ein deutliches Stück zu paddeln bis zur Einfahrt in den Ka-nal. Wir dachten aus der Erfahrung vom letzten Mal, dass es ab dort ein langsames, gemütli-ches Vorwärtsgleiten bis zu den Medaillen würde. Denkste! Durch die Verengung wurden alle Teilnehmenden im wahrsten Sinne des Wortes zusammengequetscht. Einige wurden quer gedrückt und hatten Mühe, wieder auf Kurs zu kommen. Der schlimmste Engpass war unter einer Brücke, an der sich die Boote so verkeilt hatten, dass minutenlang nichts mehr ging. Wir waren gerade noch so mit etwas Glück durchgeschlüpft, Norbert nur mal kurz von einem Drachenboot und einer Gondel in den Schwitzkasten genommen, aber Uschi und Hermann hatten mächtig zu kämpfen, wieder auf Kurs zu kommen. Sie hatten so richtig mit den Drachen und anderen Unzulänglichkeiten zu kämpfen und kamen erst über eine Wende im Seitenkanal wieder richtig gut weiter. Als besonders problematisch erwiesen sich große Ruderboote (da halfen auch Steuerleute nur wenig), Drachenboote und lange, dicke Gon-deln. Erst auf dem Canal Grande entspannte sich die Situation allmählich. Dort gab es zu guter letzt noch Getränke – die hätten wir eher in der Mitte brauchen können. Da kamen uns

schon die ersten Medaillenträger entgegen, die wahrscheinlich alle zu dem ungemütlichen Sattelplatz strebten. Auf der Accademia-Brücke winkte Astrid und feuerte uns an und machte Fotos von uns. Wir hatten am Ziel die Wahl zwischen linkem Rand und Mitte zum Entgegen-nehmen der Medaillen. Alles klappte bei allen hervorragend.

Wir trafen uns wie verabredet rechts am Müllstrand hinter dem Segelverein nach dem Ziel-einlauf und dem Medaillenabwurf mit nur kurzen Zeitintervallen. Regine und Birgit, die mit nur kurzer Verzögerung kamen, hatten sicherlich den härtesten Törn hinter sich, und Regine hatte die Beutel mit dem hart erkämpftem Metall noch zwischen den Zähnen.

Die Rückfahrt verläuft relaxt und trotzdem sind alle froh, als wir den Strand erreichen. Zwar hatten wir unseren Schlepper schon lange in die verdiente (?) Pfingstpause steamen sehen ohne uns eines Blickes zu würdigen. Aber wir sind auch ohne Begleitschutz gut am heimi-schen Strand angekommen.

Zum Dinner sind wir uns einig: im Vogalonga-T-shirt zur Kneipe links um die Ecke. Es gibt nicht nur eine Vorspeise auf Kosten des Hauses, sondern nach dem leckeren und freundlich servierten Essen auch noch ein runde Riesenbuddel Zitronenlikör hinterher. Am Nachbar-tisch sitzt die Gruppe französischer Kajakfahrer, die wir in den letzten Tagen immer schon mal wieder in Burano oder so getroffen haben. Eigentlich wollen sie nach ihrem - späteren, typisch französisch – Essen uns noch besuchen, aber ihnen geht es wohl so wie uns: Nach diversen Weinen in gemütlicher Runde im Lokal und dann bei uns auf dem Platz (die armen Nachbarn) fallen wir alle in die Schlafsäcke. Zum Absacker war noch Georg, den einige von der Oder-Fahrt kennen, mit einem Freund auf einen Schluck vorbei gekommen.

Inge Voigt-Köhler