Sommertour 2005 – Elbe von Schmilka/Dresden bis Hamburg

 

Zurück von der Oder 2004 stellt sich die Frage, welches Gewässer das Objekt der Urlaubsbegierde 2005 sein könnte. Schon viel von der Elbe gehört und von der Odertour begeistert fangen wir an, Erkundigungen einzuziehen. Als Weihnachten eine Mail von Professor Klaus aus Wilhelmshaven von der Oderfahrt kommt, die seine Elbebefahrung mitteilt, sind wir schon ziemlich fest entschlossen. Wir, das sind Ina und Jürgen und Norbert und ich. Als Hartwig nach den Plänen für den nächsten Sommer fragt, findet er die Elbe auch attraktiv und wir planen gemeinsam. Jürgen kümmert sich um die Vorbereitungen, mailt mit dem Organisator Günter Röhrig, der traditionellerweise diese Fahrt anbietet. Obwohl noch Monate hin, ist der Transferbus nach Dresden schon ausgebucht, wir stehen auf der Warteliste.

Die Tage werden länger und wärmer, und Paul entschließt sich, mit auf die Elbe zu gehen. Wir müssen ihn etwas überreden, bis er auch im Zweier plant. Nun sind wir 6 Leute in 3 Booten, eine gute Größe für eine Kleingruppe in einer Großgruppe.  Ein Reiseführer "Elbe und Nebenflüsse" wird gekauft, leider verschwindet er dann im Verlaufe der folgenden Wochen unauffällig aber nachhaltig.

In den zwei Wochen vor dem Start klärt sich das mit dem Bustransfer, nur der Elbführer, der bleibt verschwunden. Endlich komme ich dazu, die Fahrtenbeschreibung zu lesen und bin begeistert, es klingt nach einem veritablen Verwöhnprogramm, und meine Vorfreude wächst enorm.

Übernachtung in Harburg für Paul, Norbert und mich im Bootshaus, richtige Betten für Ina und Jürgen bei Hartwig. Socken, Unterhosen und T-Shirts für 3 Wochen, weniger Handtücher, dafür ein Waschlappen zum Abtrocknen, der dann schnell trocknen kann (Tipp von Brigitte). Essen gibt es unterwegs wohl reichlich, also nur 2 Notdosen und eine Altesockenwurst. Und wie kriegen wir ein paar Gläschen Wein mitgenommen, ohne dass es den Rahmen sprengt? Wir werden sehen. Auf jeden Fall bin ich absolut happy mit meinem vorzeitigen Geburtstagsgeschenk, meinem neuen Super-PDA, der nach einiger Eingewöhnungszeit schon eine Menge von dem tut, was ich will :-)

 

Letzte Vorbereitungen

Wie viel Löffel Zucker braucht man für 3 Wochen Tee? Und wie viel Löffel Tee?  Bloß nicht zuviel mitnehmen, jedes Teil muss 2mal am Tag durch die Gegend getragen werden. Der Elbeführer ist und bleibt verschwunden. Norbert kauft einen neuen.

 

Einen Tag vor der Abreise: Donnerstag, den 7.7.

Um halb 10 abends bin ich endlich zu Hause und verteile meine Klamotten auf 2 Haufen: die großen Sachen wie Pullover und Hosen für den dicken Beutel, die Kleinteile wie Socken und Unterhosen für den Seekajakpacksack - bloß: wo ist das Ding? Weg - Mauseloch. Also einen anderen Packsack gefüllt. Bloß: wie wird das dicke Ding ins Boot passen? Egal, das klärt sich alles in der Bewegung.

 

Freitag, den 8.7. Bremen - Hamburg

Bevor wir uns der Urlaubsfreude hingeben können, müssen wir Abschied nehmen von Uwe, der am Sonntag gestorben ist. Auf der Beerdigung treffen wir Ina und Jürgen und Roswitha und Paul, dem wir gleich ein paar handliche Säcke übergeben, damit es bei uns im Auto nachher nicht so voll wird.

Wir gehen noch schnell essen beim Asiaten, laden Boot und restliche Beutel auf und ein, angefangene Weinflasche und halben Müslipfirsich. Ohne nennenswerten Stau kommen wir zielgenau zum Harburger Kanuverein. Paul ist schon da, von Roswitha gebracht, Hartwig kommt später. Birgit und Michael sind das freundliche Begrüßungskomitee und vermitteln einem erste Übersichten. Das Hängerladen ist ein Erlebnis für sich: markige (mutige) Männer turnen auf 4 Etagen hohen Anhängern und zurren Boote fest. Jens ist Lademeister und hat alles gelassen im Griff. Er vergewissert sich, dass alle Boote wirklich leer sind, damit das Gesamtgewicht für die Zugautos noch zu schaffen ist. Und er besteht auf das Zerlegen der Bootswagen, damit auch wirklich alle in den Kasten vom Hänger reinpassen. Sein Wirken zeigt Erfolg: kein Boot oder sonstiges Teil bleibt übrig, sogar die Zweirumpf-Holzboote der Engländer finden noch ihre Plätze.

Alte Bekannte treffen sich wieder, neue Bekanntschaften werden geschlossen. Die Organisation klappt perfekt: ein Zuständiger fürs Anmelden, einer fürs Laden, eine für Kuchen und eine für Frühstück, Eier inklusive, Tee kein Problem, nette Atmosphäre und viel Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftsgeist, ohne Hektik und Geschrei, alles bestens organisiert. Ein angenehmer Urlaubsanfang. Zum Schlafen stehen die Zeltwiese, mehrere Gemeinschaftsräume und Bootshallen zur Verfügung. Paul schläft vor der Theke, Norbert und ich unter einem hölzernen Renneiner, und Ina und Jürgen ziehen zu Hartwig. Auf dem Tönnchen mache ich meinen kombinierten Schreib- und Esstisch auf und genieße die abendliche Ruhe am Wasser. Das Wetter könnte noch etwas freundlicher und wärmer werden ohne Wolken und vereinzelte Regentropfen. Ich bin gespannt auf morgen.

Zum Ausklang gibt es noch Gegrilltes (Würstchen, Hühnerschaschlik oder Lachsspieß) mit Bier und Wein, alles kostet immer einen Euro und schmeckt köstlich. So lernt man auch schon mal einige von den Mitpaddlern und deren Getränkevorlieben und Vorgeschichten kennen wie z.B. Trude, Ilse, Margot und Heiner.

 

Samstag, 9.7. Bustransfer nach Dresden

In der Bootshalle schnarcht nur einer zeitweise, aber so richtig tief geschlafen haben wir trotzdem nicht. Gleichmäßiges Tröpfeln auf dem Dach verlockt nicht gerade zum Aufstehen, aber das Frühstücksbuffet bringt uns gut auf die Beine. Brötchen und Aufschnitt satt, ein Thunfischsalat, Joghurt und Obst bilden ein richtiges Sportlerfrühstück.

Unglaublicherweise verschwindet das Gepäck sämtlicher Mitpaddler doch noch im Kofferraum des Busses, alles rutsch irgendwie immer noch ein Stück nach hinten, und auch die Gepäcknetze sind gut gefüllt. Im Bus schaukeln wir gemütlich dem Ziel entgegen. Im Bus hinter uns klären wir mit Heike und Rolf die Aussprache von Canoe in ACC, während Enkelin Carolin die lange Fahrt mustergültig übersteht. Zwei Pause unterbrechen die Fahrt, die Raststätten locken nicht gerade mit kulinarischen Highlights, und es tröpfelt immer noch.  Aber da hinten wird der Himmel ununterbrochen heller. In Dresden fahren wir an all den berühmten Sehenswürdigkeiten - Semperoper, Brühler Terrassen, Blaues Wunder usw. vorbei zum Kanuverein.

Zelte aufbauen geht nach dem Windhundprinzip, es ist eng und wir wohnen Hering an Hering und stellen in der Nacht zufrieden fest, dass keiner von uns schnarcht, nur Pauls neue Matratze quietscht leicht. Wir treffen Bekannte von früheren Fahrten wie z.B. die Großelternfamilie aus Schwedt (Ulrike und Alfred mit Stefan) und Enno von der Odertour oder Barbara und Heinz, die sicher ältesten Bekannten von der Gruftitour auf der Altmühl 1988.  Auch Klaus von der Oder, der eigentliche Verursacher unserer Teilnahme, ist da. Wir trinken Kaffee und Tee und schlendern an der Elbe entlang und genießen den Urlaubsanfang. Um 18 Uhr ist Fahrtenbesprechung, bei der sich nicht nur alle Fahrtenleitungen vorstellen, sondern auch alle Teilnehmenden. Es waren zwar nicht die vollständigen angekündigten 125, bestimmt nur ca. 80, aber eine nette Idee. Danach stürzen sich die meisten auf die umliegenden Lokale und lassen sich verwöhnen.

Beim abendlichen Zähneputzen glitscht mir alles aus den Händen - die Profiflasche mit dem Duschgel war doch nicht dicht. Wie oft ist mir das jetzt schon passiert? Papierhandtücher und Wasser helfen, die Katastrophe zu beseitigen.

 

Sonntag, 10.7. Schmilka – Dresden 44 km

Morgens im Waschraum steht Karin am Waschbecken. Na klar, Karin und Jürgen stehen zur gleichen gemütlichen Zeit auf wie wir. Dann wird mir bewusst, dass es inzwischen ein anderer Urlaub ist – nicht mehr die Oder, sondern die Elbe.

Bei leichtem Tröpfeln frühstücken wir unter dem Dach am Wasser und genießen die Aussicht auf die Elbe. Noch ist nichts da, wo es hingehört, aber das ist am ersten Tag eben so.

Mit Bus und Bootshängern fahren wir durchs Elbsandsteingebirge und lassen uns von einem Dresdner Kanuten erklären, was wir sehen würden, wenn es nicht so neblig wäre. Trotzdem ist es ein beeindruckendes Erlebnis und vor allem eine unheimlich nette Geste. Überhaupt - Gastfreundschaft wird groß geschrieben: Kaffee, Tee, Brötchen, Kuchen, Getränke, Erklärungen - wir werden wahrlich liebevoll aufgenommen.

Unsere erste Paddeltour beginnt mit einem Schrecken: gleich nach dem Einsteigen wird einer von der flotten Strömung gegen einen Fähranleger gedrückt. Die klassische Situation: er kantet flussaufwärts und das Oberwasser dreht ihn um. Sein Boot wird quer gegen den Anleger gedrückt, sinkt dann tiefer und wird von der Strömung erfasst und am Anleger vorbei getrieben. Nach unendlich lang erscheinender Zeit taucht auch Heiners Kopf neben dem Anleger auf. Alle atmen erleichtert auf, einige hatten schon in den Startlöchern gestanden, ins Wasser zu springen. Rundum gibt der Anleger nun auch die Ausrüstungsteile frei: Paddel, Bootswagen, Packsack werden aufgefischt, Heiner überredet, sich trocken zu legen und mit Verspätung geht es los.

Beeindruckende Landschaften ziehen bei guter Strömung schnell vorbei. Unsere Mittagspause machen wir beim Zeltplatz der Dresdner Kanuten. Sie beginnt mit einem Schrei und einem nassen Hintern, nämlich dem von Norbert. Er ist Spezialist für überlange Paddelbrücken. Diese war wohl zu lang oder er inzwischen zu schwer. Auf jeden Fall bricht sein Karbonpaddel mit knirschendem Bersten und hinterlässt zerfaserte Enden am Mittelstück. Mitfühlende Mitpaddler finden, dass es sich hier klar um einen Materialfehler handelt und empfehlen Reklamation. Das nehmen wir uns auch vor. Trotzdem muss Norbert nun die ganzen drei Wochen mit dem deutlich schwereren Reservepaddel fahren.  Für eine Kaffeepause – Norbert inzwischen in trockenen Reservehosen - findet sich ein Sommergarten an der Fähre in einem alten Schlösschen. Bei der Ankunft in Dresden gibt es wieder Kuchen, Getränke, Gegrilltes satt und freundlich, es ist schon toll, wie man hier aufgenommen wird.

Um 19 Uhr machen wir uns mit einigen Wissenden mit der Straßenbahn auf den Weg in die Stadt. Die richtige Bahnlinie finden ist nicht schwer, bezahlen dagegen sehr - die 4-Personenkarte aus der Ankündigung gibt es nicht im Automaten, dafür behält der Automat 10 Cent Wechselgeld ein. Dafür stehen wir solange rätselnd vor dem Automaten, bis wir am Ziel sind. Zwinger, Semper-Oper, Hofkirche, Brühlsche Terrassen - das alles hat schon was. Nach einer erfrischenden Stadtführung mit einer Kanutin vom Touristenverband beenden wir den immer wärmer werdenden Tag mit einem Bier im italienischen Dörfchen mit Elbblick. Auf dem Rückweg in der Straßenbahn, der wir nun Einzelfahrscheine entlocken, holt uns völlig aus heiterem Himmel noch ein leichter Regenschauer ein, aber das stört uns wenig.

 

Montag, 11.7. Dresden – Meißen 34 km

Sonne weckt uns und - oh Wunder, nicht alle rennen um 7 Uhr zu den Booten. Auch um 9 Uhr hocken noch gut gelaunte Urlaubspaddler vor ihren Zelten beim Frühstück und plaudern locker vor sich hin. Unser Zeltnachbar mit seinem wohlerzogenen Rauhaardackel Waldemar (oder heißt so das Herrchen und sein Hund Oskar?) entpupt sich als Tidenrallyeteilnehmer, der auch beim nächsten Mal wieder dabei sein will und muss erst mal in die Stadt um eine neue Düse für seinen Kocher zu besorgen. Eine 4-Personen-Nachbarfamilie mit 4 Einern hat Zweifel, ob die  Gepäckberge wohl unterzukriegen sind (am Nachmittag kommen sie doch strahlend mit all ihren Utensilien in Meißen an). Der Kanadier mit Hartwig und Jürgen treibt vor (sie mussten mit dem Start warten, bis bei den beiden Zweiern klar war, ob auch alles reinpasst) und wir Zweier kommen nach. Eine sonnige Mittagspause unterbricht die gut 34 km nach Meißen. Beim gastfreundlichen Kanuklub finden wir genügend Platz abseits vom Brückenlärm in der hinteren Ecke vor den Toiletten - One-night-stand der kurzen Wege. In unmittelbarer Nähe gibt es einen vietnamesischen Gemüseladen, der auch Wasser und Saft und vor allem wunderbare Salate hat. Im Sportgeschäft bekommt Norbert Nachschub für seine verblassten, zerrissenen Shorts, natürlich gut reduziert zum Sommerschlussverkaufspreis.

Kräftige Männer werden gesucht, um ein gekentertes Faltboot zu bergen. Einer unserer Mitpaddler, der Wismarer, ist eingenickt und ist bei der Kollision mit einer Tonne gekentert. Bei der abendlichen Fahrtenbesprechung wird der Vorfall zum Anlass genommen, noch einmal nachdrücklich auf die Gefahren der Elbe hinzuweisen.

Meißen - ein netter Ort mit sinnvoll angelegten Förder- und Hochwasserspendengeldern bietet die nötige Kulturkomponente zum Paddeln. Abendessen mit Wein - natürlich der Region - auf der Burgterrasse über der Stadt und später leckerer Wein am Flussufer bei kitschigem Abendrot runden den Tag ab.

 

Dienstag, 12.7. Meißen – Riesa 25 km

Ein Heißwasserkocher und Brötchen - auch hier die für die Region anscheinend typischen Doppelbrötchen - zum Frühstück, Halbschatten und Mitpaddler, die grüßend und bewundernd an unserer Rolltischtafel vorbei kamen, garantierten einen guten Start in den Tag.

Wie kann man einen Kanadierfahrer von einem Seekajakfahrer beim Frühstück unterscheiden? Beide machen ihren Schnellabwasch mit Toilettenpapier, nur: die Rolle des Kanadierfahrers ist rund und unversehrt, während der Seekajakfahrer sie aus Platzersparnis plattgedrückt hat und er auch nur genau so viel Blatt mitgenommen hat, dass es hoffentlich bis zum Ende seiner Reise reicht.

Die Elbe mäanderte auch deutlich unterhalb von Meißen immer wieder durch Weinberge und Hügellandschaft. Pausenplätze waren nicht so üppig, denn das Wasser stand hoch an den Wiesen, so dass es meist ein feuchtes Aussteigen geworden wäre. In einer Kurve mit Kiesstrand gesellen wir uns zu Enno, weitere Paddler kommen dazu - Herdentrieb.

Riesa ist schnell erreicht, denn bei der Strömung sind 25 km nichts. Wir schlagen unsere Zelte unterhalb des Bootshauses auf den Uferwiesen mit Teilschatten und Elbblick auf, was sich im Laufe der Nacht noch bitter rächen soll. Erst mal erkunden wir die City von Riesa, insbesondere die Sportgeschäfte und Eisdielen. Norbert bekommt eine weitere Sommerschlussverkaufsoutdoorkurzhose und behält sie gleich an, weil sie stadtfein ist. Später wird auch Jürgen zu eben solch einer Hose überredet, nein, noch einfacher: Ina schenkt sie ihm zum Geburtstag übermorgen. Mit Paul ist es da schon schwieriger, er fordert einen Tag Bedenkzeit.

Das abendliche Grillbuffet ist abwechslungsreich und fördert den Austausch zwischen KanutInnen der verschiedenen Regionen beim anschließenden Klönschnack.

Die Nacht wird unvorhergesehenermaßen durch stark alkoholisierte Jugendliche auf ihrer Rückkehr von der Stadtparkfete unterbrochen. Sie stehen direkt neben unserem Zelt und lallen lauthals Unsinn in ordinärsten Worten in die Gegend. Glücklicherweise lässt sich eine Eskalation trotz Polizeidrohung vermeiden, wahrscheinlich sind sie zu angeschlagen bzw. doch zu vernünftig. Aber die Ruhe ist erst mal dahin.

 

Mittwoch, 13.7.  Ruhetag Riesa

Frühstück aufgebaut im Schatten wie gewünscht und nun als zu kalt reklamiert, Einschätzungen und Erfahrungen zur letzten Nacht ausgetauscht, gemütlich gefrühstückt und dann zur Stadtbesichtigung aufgebrochen. Klosterbesichtigung mit echtem Kräuterlikör und falscher Nonne (vom Touristenverein – Norbert hat gleich gesagt: das ist eine Schauspielerin), Ökozentrum mit Fellproben und Vogelstimmen, Kirche mit Turmbesteigung, nur für die ganz schwindelfreien bis nach ganz oben mit Ausblick. Für die, die auf halber Strecke nicht mehr auf der Wendeltreppe weiter mögen, gibt es als Entschädigung einen Blick auf das historische Uhrwerk.

In der Mittagspause ziehen Paul und Norbert und ich auf Wunsch bzw. Empfehlung von Günter um auf das Vereinsgelände, um eine erneute Nachtaktion zu vermeiden. Er sagt nur: das ist eben Riesa.

Nachmittags gibt es eine Besichtigung wahlweise vom Nudel- oder vom Stahlwerk. Gekocht wird im Stahlwerk jedenfalls mit sehr hohen Temperaturen, mit viel schwarzem Staub (abends Füße waschen nicht vergessen) und ganz schön laut. Zurück geht’s wieder mit der historischen Stadtbahn, alles in ermattender Hitze.

Der Abend klingt aus mit Nudelbuffet oder Essen a la carte, hinterher gemeinsam im Biergarten. Der Zeltplatz, der nachmittags noch ruhig und leer war, ist nun belegt von einer im wesentlichen wohlerzogenen Jugendgruppe. Was zuerst recht laut erscheint, verstummt dann aber deutlich früher als die Englisch palavernden Oldies. Eine ruhige Nacht ohne Eisenbahn, Schnellstraße und Jugendrandale.

 

Donnerstag, 14.7.  Riesa – Torgau 48 km

Sonne, Wärme und Jürgens Geburtstag, er stoppt den vielstimmigen Gesang von uns Bremer Gratulanten durch schnelle Umarmung und freut sich über sein rotes KSF-Käppi. Start um 9 Uhr, traumhafte Landschaft. Bei km 121 hörte früher Sachsen auf und damit auch die Tonnen und Preußen begann. Den km 121 gibt es zweimal - 121A - , und nun beginnen die Buhnen und Sandstrände.

In Torgau erwarten uns eine gemähte Uferwiese, ein üppiges Kuchenbuffet und wiederum ein gastfreundlicher Verein. Die Begrüßung übernimmt neben dem Fahrtenleiter des ersten Abschnitts und Vereinsvorsitzenden Jürgen der LKV-Präsident Sachsens Heiner Quand.

Kartoffelsuppe in Eile, weil der Zeitpunkt für die Stadtführung zum 3. Mal verlegt worden ist - die letzte Verlegung hatten wir nicht mitgekriegt. Wir holen die Gruppe beim Schloss wieder ein, gerade rechtzeitig für die Informationen zum freitragenden Wendelstein, ursprünglich der einzige Zugang zu allen Etagen des Schlosses. Es ist aufwändig renoviert und wunderschön und beherbergt heute neben weiteren Behörden die Wohngeldstelle und das Sozialamt. In Bremen wäre das Gebäude längst versilbert worden. Wir erfahren noch so dit und dat über Torgau, unsere Stadtführerin Gabi ist vom örtlichen Kanuverein und macht die Führung für uns ehrenamtlich ersatzweise, daher im wesentlichen ohne Jahreszahlen, dafür mit aktuellen Bezügen und persönlichen Ergänzungen. Anschließend stoßen wir auf Jürgens Geburtstag im Brauhauskeller an. Die Weinkarte offeriert 3 Weine der Region, zwischen denen wir uns nicht qualifiziert entscheiden können. Auf meine Frage, ob es so was wie eine kleine Weinprobe gäbe, verneint die Bedienung und bietet uns ersatzweise je einen Schluck zum Probieren an. Das nehmen wir gerne an und kosten uns durch Elblandwein, Silvaner und eine sächsische süffige Spätlese, danach sind die Entscheidungen klar. Für Hartwig noch eine Forelle und für die anderen einen speziell für uns gefertigten Käseteller, total lecker dekoriert.

Unsere Nachtruhe wird wiederum gestört durch randalierende und rechtsradikale Parolen brüllende Jugendliche. Es scheint das Problem der Uferwiesen mit Elbradwanderweg und der warmen Witterung zu sein.

 

Freitag, 15.7. Torgau – Elster 46 km

Knusprige Brötchen starten einen sonnigen Tag. Es wird so heiß, so dass wir auf jeden Fall für die Pausen Schattenplätze brauchen. Eigentlich wünschen wir uns einen Sandstrand dazu und wollen baden, aber im Doppelpack gibt es das nicht, so dass wir nur semizufrieden sind. Wir kommen leicht erledigt und verschwitzt in Elster - Kanuverein Harmonie - an, genießen wiederum Kuchenbuffet und Gastfreundschaft rundum. Einkaufsbummel für Mineralwasser in Mengen und Schinken und andere schwerverderbliche Würste. Abends gibt es wieder ein Essen im Bootshaus, gerade rechtzeitig für Gulasch mit Rotkohl kommen mit einer dunklen Wolkenfront Gewitter, Wind und Kühle auf. Dank der länger sichtbaren Ankündigung gibt es keine Schäden, sondern schnellen Umzug ins Haus. Den Abend verbringen wir dann mit Jürgens Geburtstagsrotwein Saale-Unstrut vor unseren Zelten.

 

Samstag, 16.7.  Elster – Coswig 35 km

Zum morgendlichen Waschen findet sich wieder die übliche Gruppe und teilt sich schwesterlich die üblichen zwei Waschbecken und Duschen. Norbert macht die gleiche Beobachtung bei den Männern: morgens und abends immer die gleiche Zusammensetzung. Es gibt eben zwei Sorten von PaddlerInnen: Früh- und SpätaufsteherInnen.

Die Sonne lässt sich ab und zu blicken, genau das richtige Paddelwetter. Da wir auf der weichen sattgrünen gewellten Wiese etwas am Rande gezeltet haben, konnten wir auch gut ausschlafen. Eigentlich sortiert sich das mit den Zelten nach dem Zeitpunkt des Aufstehens: Frühaufsteher kommen zuerst an und belegen die ersten Plätze am Wasser. Die danach Aufgestandenen kommen danach an und zelten danach. Und wir landen dann eben später weiter hinten. Wer diese Ordnung durchbricht, ist in der falschen Aufstehgruppe und hat Lärm und Stress. Und vergangene Nacht haben wohl schon einige um 3 Uhr angefangen rumzuräumen. Jedenfalls gab es eine Menge Unmut, der bei der abendlichen Fahrtenbesprechung auf den Tisch kam.

Vorbei an der Lutherstadt Wittenberg (sollte wir nächstes Mal wohl doch besichtigen) erreichten wir zeitig Coswig, das letzte Stück begleitet vom LKV-Präsidenten von Sachsen-Anhalt Karl-Heinz Düben. Den hatte ich morgens beim Bedanken bei den Elsteranern schon an der Theke kennen gelernt. Er kannte natürlich Werner und auch Brigitte gut, die ihm gerade qualifiziert geholfen hatte, sein PE-Boot mit dem LKV-eigenen Schweißgerät  zu flicken – besondere Grüße an sie.

In Coswig gab es wiederum ein grandioses Kuchenbuffet und später Erbsensuppe aus der Gulaschkanone. Nachdem wir schon auf eigene Faust in der Stadt bummeln waren, hatten wir wenig Neigung zur verabredeten Stadtführung. Die Stadt hat mich deprimiert: Renovierung sehr spärlich (liegt wohl zu hoch für Hochwasserschadenregulierungen) und im wesentlichen bei öffentlichen Gebäuden, und da überflüssig aufwändig, Alugeländer, Edelpflasterungen. Und viele der Häuser am Verfallen, verlassen, aufgegeben. Das ganze im wesentlichen menschenleer, teilweise ein Touch von Geisterstadt.

Im Verein dagegen das brausende Leben, Gastfreundlichkeit und Marmor-verkleidete Sanitäranlagen, u.a. auch das alte Plumpsklo. Also lassen wir den Abend ausklingen bei Bier und Wein und Wasser und hoffen, dass die Turbulenzen an der Theke nicht überhand nehmen.

 

Sonntag, 17.7. Coswig - Aken 41 km

Elbebadtag. Ich beginne ihn unter einer eher kalten Dusche, die trotz 50 Cent nur mühsam lauwarm bis kalt gegen die Wand tröpfelt. Es ist wiederum das Problem des Wasserdruckes. Wenn alle 6 Hähne (2x Klo, Waschbecken und Dusche) aufgedreht sind, dann ist am einzelnen Hahn nicht viel zu holen.

Der erste kühle und windige Tag, die langen Hosen haben wir nicht umsonst mitgenommen. Wir schaffen es ohne Hektik um 9 ins Wasser und genießen wunderschöne Elbauen und kleine Sandstrände in den Buhnen. An einem realisieren Hartwig und Ina den Elbebadetag und behaupten, das Wasser wäre angenehm warm.

Wir folgen der Empfehlung der erfahrenen Elbefahrer und legen zur Pause beim Kanuklub Rodleben an. Mengen an Sitzgelegenheiten sind aufgebaut, Sportler- Getränke bis hin zu Köstritzer Schwarzbier stehen auf der draußen improvisierten Theke, eine umfangreiche Speisekarte (Kesselgulasch, Bock- oder Bratwurst mit Kartoffelsalat oder Brötchen, Frikadelle und Matjesbrötchen) und wiederum ein üppiges Küchenbuffet (Kuchen 50 Cent als Spende für die Jugendkasse) lassen alle Diätgedanken verstummen. Aber damit noch nicht genug, alle Wünsche werden am Tisch aufgenommen und die Essen dann serviert. Nur aussuchen und essen muss man noch selber. Dabei herrscht die traditionelle Rollenverteilung vor: junge Mädchen servieren, junge Männer stehen hinter der Theke, Frauen haben den Kuchen im Griff, nur ein älterer Paddler rettet die Ehre seiner Geschlechtsgenossen und räumt die Tische ab.

Als wir in Aken ankommen, werden wir schon beim Aussteigen verwöhnt von den Jugendlichen, die unsere Boote beim Aussteigen festhalten und sie dann mit einer Seil getriebenen Slipanlage nach oben ziehen. Als krönenden Abschluss heben 2 kräftige ca. 17jährige unseren vollgepackten Zweier noch auf unseren Bootswagen. Im 2. Anlauf finden wir einen Platz mit Resten von Wasserblick. Das Kuchenbuffet hat gewaltige Ausmaße und eine große Vielfalt.

Bei der abendlichen Fahrtenbesprechung wird nicht nur wie üblich dem gastgebenden Verein die Elbefahrt- Medaille mit Aufkleber überreicht und vom LKV-Präsidenten ein Grußwort gesprochen. Es gibt auch eine Ehrung für die älteste Teilnehmerin Ilse, 78 Jahre, und den Ältesten, Erwin, mit 85 Jahren.

Die Speisekarte bietet Spaghetti mit roter Soße oder Gulasch, beides echt lecker. Für den Rotwein bekommen wir auf Nachfrage die schönen geschliffenen Gläser extra aus dem Regal gereicht. Auf dem Steg in der Abendsonne werden Fahrtenbücher geschrieben und Pausenplätze für morgen ausgeguckt.  Der Schlafplatz dicht neben den ACClern ist ruhig, weil Nichtschnarcher und Spätaufsteher.

 

Montag, 18.7. Aken – Magdeburg 48,5 km

Der Sommer hat uns voll und ganz wieder, der Tag ist so heiß, dass er sich nur mit 3 Badepausen neben der obligatorischen Verwöhnfresspause in einem Kanuverein an Wege aushalten lässt. In Aken werden wir mit einem grandiosen Frühstücksbuffet mit geschmierten Brötchen, Eiern und Kuchen vom Vortage verabschiedet, so dass wir ernsthaft ins Wanken kommen, ob unsere Entscheidung zum Selbstkochen die richtige war.

Der Platz in Magdeburg wird uns als sehr eng angekündigt, trotzdem finden auch die Spätankommenden - die üblichen Verdächtigen - alle noch akzeptable Fleckchen. Bei der Begrüßung werden Brötchenliste, Stadtbesichtigung und Besprechung der Trogbefahrung angekündigt. Danach geht’s ab in die Stadt zum Essen. Der Stadtpark ist ja noch sehr schön, grün, ruhig und luftig, die Innenstadt heiß und für Aufmärsche geeignet. Eine um Rat befragte Passantin weist uns den Weg zu den Lokalen am Markt vis a vis dem Magdeburger Reiter. Wir lassen uns ermattet neben den Hamburgern in die Korbstühle fallen, denn der Weg war trotz 3 km auf dem Stadtplan eine gute halbe Stunde zu marschieren.

Den Rückweg wählen wir per Straßenbahn und sind für 1,70 wie auch in Dresden in Kürze zurück am Platz. Ein kleiner Schlummertrunk und Klönschnack zwischen den Zelten runden den Tag ab. Als ich ins Bett gehe, beginnt es zu gewittern und regnen, und bald sind die Batterien vom PDA wieder leer - also gute Nacht.

 

Dienstag, 19.7.  Ruhetag Madeburg

Trocken und frisch, die Brötchen knusprig. Eine hiesige Kanutin (die seit 1990mit ihrem Mann in Magdeburg lebt) bietet die Stadtführung an und macht es wirklich gut, mit Jahreszahlen, Engagement und Humor. Vom Turm der Johanniskirche hat man einen guten Überblick über "Machteburg", wie die Magdeburger sagen, über neue und alte Gebäudekomplexe, über "Zuckerbäckerstil", spendiert von den Russen und über den Verlauf der Elbe. Fußgängerbrücke und Turm einer Bundesgartenschau ziehen den Blick ebenso auf sich wie die goldenen Kugeln des im Bau befindlichen Hundertwasserbaus. Die grüne Zitadelle von Magdeburg, der letzte von Hundertwasser autorisierte Entwurf, ist kurz vor der Vollendung und bildet mit seinen Nachbargebäuden Landesbank in blauem Marmor und Schloss ein interessantes Dreigespann. Magdeburg hieß früher Magadoburg (= große Burg) und hat eine Frau mit Lorbeerkranz im Stadtwappen (vermutlich hat eine weise Frau die Ansiedlung gegründet, nur will das heute keiner mehr wissen :-). Nach der Stadtführung mit Kloster, Nikolaikirche (heute als Veranstaltungszentrum für Modenschauen u.a. genutzt) und Dom suchen wir die "Mausefalle" beim Schauspielhaus auf und lassen es uns bei Pizza und Pasta gut gehen. Unser Shoppingbummel dauert dann solange an, bis eine neue  Uhr für Ina gefunden ist. Danach lockt uns das  Eiscafe Rialto (wird seinem Namen nur ungenügend gerecht), bevor wir nach einem Abstecher zu Sport-Scheck (daran ist Paul Schuld :-) ermattet mit der Linie 4, Pfeifferstraße, zum Bootshaus zurück fahren. Ein Einkaufsgang durch Plus verhindert, dass wir abends wieder in ein Restaurant gehen müssen. Salate, Vorspeisen, Brot und Wein. Mein Schreiber ist in der Zwischenzeit in der Küche geladen worden und wieder aufnahmebereit.

Die Fahrtenbesprechung - wegen des Pökelfleisch-Essens erst um 20 Uhr - gibt schon mal Eindrücke und Anweisungen für die Befahrung des größten Wasserstraßenkreuzes Europas. Im Anschluss daran wird Norbert so verdächtig ruhig und trinkt auch kein weiteres Bier mehr. Auf meine besorgte Nachfrage stellt sich heraus, dass er Fieber hat. Das alte Familienthermometer zeigt unbestechliche 38,6 Grad. Norbert nimmt eine Fieber senkende Tablette und kriecht früh freiwillig in den Schlafsack. Ich mache mir Sorgen und frage Günter, ob wir Arzt oder Krankenschwester (und ärgere mich im gleichen Moment über meine traditionelle Rollenzuweisung) in der Gruppe haben. Ja, eine Ärztin, und eilt sofort zielstrebig durch die Zelte. Ellen hat sich sofort den Schilderungen der Symptome gewidmet, nachgefragt und hat ebenso wie Günter empfohlen, den ärztlichen Notdienst aufzusuchen. Gleich zwei Straßen weiter an der Straßenbahnhaltestelle ist ein Krankenhaus mit Notfallambulanz, aber Norbert ist von der Idee nicht angetan und will nur das Ortliebchen als Indoor- WC, damit er nicht schwitzend über den Platz laufen muss. Die Nacht wurde unruhig und heiß, und am Morgen ist das Fieber nur unwesentlich gesunken.

 

Mittwoch, 20.7. Magdeburg – Rogätz 29,5 km

Wir beschließen nach einigem Zögern, nicht über das Wasserstraßenkreuz zu fahren, da doch möglicherweise sehr anstrengend, sondern einfach geradeaus die Elbe runterzudaddeln. Erleichternd für diese Entscheidung kam hinzu, dass das Schiffshebewerk eine Havarie hat und erst ein Ersatzteil kommen und eingebaut werden muss. Jürgen schätzt aus seinen langjährigen Erfahrungen seiner Baustellen, dass wohl kaum damit zu rechnen ist, dass die Reparatur rechtzeitig fertig sein würde und auch die anderen beiden Boote kommen auf dem direkten Weg mit uns.

Wir machen unsere Pause kurz hinter dem Trog und steigen die 73 Treppenstufen hoch zur Besichtigung und haben bestimmt einen schöneren Aus- und Überblick, als wenn wir gepaddelt wären. Nur das Gefühl, das ist natürlich ein anderes. Als wir dann abends von Sigurds Kenterung (immerhin erfahrender SAUler) hören, sind wir mit unserer Entscheidung doch ganz zufrieden.

Die Ankunft in Rogätz liegt so zeitig, dass einige von uns nach dem Zeltaufbau auf der Wiese am Wasser sowohl Kartoffelsuppe als auch Kuchen verdrücken und zum Abendessen trotzdem wieder genügend Appetit mitbringen, um im einzigen Gasthof des Örtchens die kräftigen Hausmannskostportionen zu verputzen. Dazwischen liegt der obligatorische Einkaufsgang. Paul hat nach dem ersten Kaufmannsladen mit Herrenschokolade keine Lust mehr, nur Ina, Jürgen und ich (Norbert schläft und Hartwig ist auf eigene Faust unterwegs) erkunden Fleischer und Supermarkt am Ende des Ortes. Wir bestellen schon mal einen Tisch für den Abend, was uns dann aber auch keinen Zeitvorteil bringt.

Das Wetter macht keinen zuverlässigen Eindruck mehr, dauernd müssen wir uns vor Schauern in Hauseingängen verkriechen. Daher bauen wir die Plane auf, die Heringe aufgrund der Enge großzügig um die Eingänge der umliegenden Zelte verteilt. Das macht sich schon bezahlt, als wir vom Essen zurückkommen, denn so können wir noch trocken bei Wein und Chips zusammensitzen.

 

Donnerstag, 21.7.  Rogätz – Tangermünde 38 km

Zum Waschen schaffen wir es gerade noch trocken, aber dann gibt es zunehmende Schauer, die sich zu einem kräftigen Dauerregen verdichten. Die zaghafte Überlegung, erst abzubauen, wenn es aufhört, wird zunichte gemacht von der Einsicht, dass man dann womöglich noch einen Tag dort verbringen müsste. Einige haben das wohl so für sich entschieden, wir aber verstauen alles möglichst trocken - unser Zelt sogar zuletzt unter der Plane ausgeschüttelt - und starten auf den grauen, stürmischen Fluss, der Kanadier wie üblich mit einem Vorsprung, da beim Packen erheblich schneller, dafür aber beim Paddeln manchmal etwas langsamer.

Das Wetter entpuppt sich als extrem paddlerfeindlich: ununterbrochener heftiger Regen lässt selbst neue Marken-Paddeljacken bald nur noch als Windschutz wirken, und die Wassertemperatur der Elbe erscheint gegenüber den kalten Böen durchaus nicht unattraktiv. Glücklicherweise bleibt uns ein Test, ob es wirklich so ist, erspart, wir passen gut auf alle Böen auf und halten das Paddel flach. Das Wetter lädt trotz wunderschöner Sandstrände wirklich nicht zur Pause ein, und erst, als ich wirklich nicht mehr anders kann, steuern wir einen Sand unter einem Baum an. Der kann jedoch auch nicht verhindern, dass es nun auch noch nasse Hosen und Füße gibt und im Boot immer nasser wird und sich die Anzahl der trockenen Fäden am Leib noch einmal drastisch reduziert. Beim Abfahren gibt es eine schnelle Banane, dann treiben uns nicht endende Schauerböen nach Tangermünde.

Wir wussten schon, dass das Bootshaus nicht rechtzeitig fertig geworden ist, dass es Dixi-Klos gibt, am Deich in Zweier- und dann Einerreihen gezeltet werden muss und die vernünftige Wiese am Bootshaus viel zu klein für alle ist. Aber dass der Platz eine schlammige Baustelle ist, wo zwar ein Zelt als Goodwill-Angebot Unterschlupf bot, hat uns dann doch nicht begeistert. Der Zufall hat es gut mit uns gemeint: als ich auf der Suche nach Norbert und/oder einem geeigneten Zeltplatz die Schwedter beim Bootaufladen sah und eine flappsige Bemerkung von wegen schon aufhören machte, erzählte sie, dass sie sich entschlossen hätten, doch schon nach Havelberg vorzufahren und dort in eine Hütte zu gehen. Und ihre reservierte Ferienwohnung sei nun frei. Ob wir sie haben wollten. Kein langes Überlegen, zugegriffen, angerufen, die Anzahl der Bewohner von 3 auf 6 erhöht und dann noch vom Hafenmeister mit dem Auto hingebracht.

Obwohl die Wirtin eine sehr energische ist, zuckt sie mit keiner Wimper, als wir mit unseren tropfenden Packsäcken vor der Tür stehen. Bittet nur darum, die nassen Sachen nicht auf das Parkett zu stellen, gesteht uns einen eingeschalteten Gasofen von den dreien zu und verzieht auch keine Miene, als wir jeden erdenklichen Haken inklusive der Gardinenstangen und aufgehängten Holzschnitzdekorationen zur Trocknung für Unterhosen, Hemd und BH nutzen. Der praktische Kleiderständer wird ins Wohnzimmer vor den Ofen gerollt, und Hartwig hat umsichtigerweise die angebrochene Weinflasche, die immer im Kanadier mitfährt, eingesteckt, so dass wir in Teilen die versäumte Mittagspause nachholen. Ina und Jürgen packen alle nassen Anziehsachen in einen großen Sack und bringen sie zum Trocknen in die Wäscherei. Norbert verabschiedet sich trotz anhaltender Regengüsse zur angesagten Stadtbesichtigung. Alle anderen legen sich aufs Ohr - Jürgen und Hartwig schnarchen um die Wette. Jürgen gewinnt um Längen an Lautstärke und Dauer, und ich höre mir das ganze an, schreibe meinen Reisebericht und habe so meine Zweifel, ob das wohl eine ruhige Nacht werden kann.

Aber vor der Beantwortung dieser Frage standen noch Fahrtenbesprechung und Abendessen. Zur Fahrtenbesprechung strömten tropfende Gestalten im immer noch strömenden Regen unter dem aufgestellten Zelt zusammen. Einige fehlten, sie waren in Rogätz geblieben und warten auf das Aufhören des Regens, andere sind mit dem Auto gleich nach Havelberg vorgefahren in eine Hütte (daher ja die "geerbte" Ferienwohnung von Ulrike und Alfred) und andere zelten auf dem Gelände. Ausgerechnet Birgit und Michael sind auch schon in Havelberg. Sie hatten auf der Elbefahrt im Vorjahr hier geheiratet.

Wir finden den angetrunkenen Grappa noch an der Zeltecke stehen, es sind lauter ehrliche Leute hier. Wie auch all die anderen Fundsachen, insbesondere ein braungestreiftes Handtuch, wird alles, was bei der Abreise liegen bleibt, zur nächsten Fahrtenbesprechung von den Findern mitgebracht.

Wir folgen dem Tipp unserer Wirtin und essen lecker und reichlich in der "Alten Brauerei". Der Wetterbericht, den ich auf dem WC verfolgen kann, verspricht nichts Gutes. Entgegen allen Befürchtungen gibt es eine ruhige Nacht.

 

Freitag, 22.7. Tangermünde – Havelberg  1 Schleuse 41 km

Es hat aufgehört zu regnen, das Frühstück in der Pension geht so in Ordnung. Jürgen und ich holen die Wäsche aus der Wäscherei und erleben eine liebevolle Überraschung. Alles ordentlich gefaltet in zwei Plastiktüten, ohne dass der Wäscher dafür etwas berechnen wollte. "Sie sollen Tangermünde doch in angenehmer Erinnerung behalten". Dazu hatte er uns noch Schokoriegel eingepackt, die in der 4 km entfernten Fabrik hergestellt werden und die Hausmarken von Aldi und Lidl sind: Gletscherkrone und Knusperone - echt lecker. Für diese Firma wäscht er nämlich auch.

Das Gepäck fährt mit einem Taxi und mit Norbert zum Hafen bis vor unsere Boote, während wir restlichen zu Fuß kommen und unterwegs Mittagsbrötchen einkaufen. Das Verstauen dauert etwas länger, weil alle Beutel neu gepackt werden müssen. Statt um 9 Uhr wie sonst kommen wir so gegen halb 11 aufs Wasser. Es ist trocken, bewölkt mit sonnigen Abschnitten und kurzen Schauern. Sandstrände laden zum Baden ein, aber dazu ist es zu kalt. Es bleibt bei einer Pause und einem kurzen Sprung an Land, denn die Schauer nehmen überhand.

Zur Einfahrt nach Havelberg passieren wir die Schleuse und haben dann einen schönen Blick auf die Stadt. Wir finden einen ruhigen Platz hinter dem Haus, stellen die Plane auf und sind gerade mit dem Trocknen und Aufbauen fertig, als es neben der Plane bellt: Brigitte und Werner sind schon einen Ort früher da.

Nach einer kurzen Verabschiedung von Zweien, die in Havelberg aufhören, gehen wir in die Stadt zum Essen. Wir können uns lange nicht zwischen Grieche, Italiener und Ratskeller entscheiden, gehen dann, weil immer später und hungriger, in den Ratskeller und sind dann alle angenehm überrascht von Speisekarte, Preis-Leistungsverhältnis und Köstlichkeit der Gerichte. Unter der Plane gibt es noch einen kleinen Rotwein und dann eine unruhige (Schnarchen, Wühlen, Schnäuzen, Reißverschlüsse) Nacht.

 

Samstag, 23.7. Ruhetag Havelberg

Der Einkaufsbummel im Örtchen wird von erneuten Regenfällen beschleunigt. Das Weinangebot ist echt nicht der Hit, mal schauen, was wir da erstanden haben. Später offerieren sowohl Rossmann als auch ein Kiosk lecker aussehende Flaschen. Umdenken ist also auch bei den Einkaufsquellen gefordert, wer denkt schon bei einer Drogerie an Wein. Wir hocken unter der Plane und hoffen, dass es irgendwann mal aufhört zu regnen. Der Damenumkleideraum ist von Wäscheleinen durchzogen, damit es irgendwie eine Chance gibt, die Sachen trocken zu kriegen. Das Mittagessen gibt es im Bistro Istanbul, danach macht Norbert einen langen Mittagsschlaf, aus der Süddeutschen von Hartwig erfahre ich von einem spannenden Projekt für gefährdete Jugendliche in Bremen, und so tüdeln wir uns bis zur Fahrtenbesprechung durch. Die Neuen, u.a. Brigitte und einige Berlinerinnen, werden vorgestellt. Werner war zu einer Veranstaltung in der Nähe gefahren, hat einen Sack dreckiger oder überflüssiger Sachen von uns und Norberts geborstenes Paddel im Auto mitgenommen und damit richtig Platz geschaffen.

Nach der Fahrtenbesprechung traben wir in die Stadt, wieder im Ratskeller essen. Jede/r hat schon von gestern ein Lieblingsessen im Hinterkopf, und alles schmeckt wieder köstlich. Den Abend lassen wir bei Wein ausklingen und müssen in der Nacht feststellen, dass es unsere eine Nachbarin ist, die so anhaltend schnarcht und alles zersägt.

 

Sonntag, 24.7. Havelberg – Wittenberge  1 Schleuse  41 km

Wir starten gemeinsam so gegen halb 10 und schleusen gemeinsam, es dauert ganz schön lange, bis wir alle in der Schleusenkammer sind. Nach 15 km machen wir Halt im Storchendorf Rühstedt. Auf vielen Hausdächern sind bewohnte Nester, auf einem sogar 4 dicht nebeneinander. Die Jungen machen erste Flug- und Balzübungen. Es wurde offensichtlich,  warum der Storch im Volksmund den Vornamen "Klapper-" trägt. Mit weit in den Nacken gelegtem Kopf klapperten sie mit ihren Schnäbeln, andere antworten ihnen darauf. Einige stehen auf einem unglaublich dünnen Bein auf dem Dachfirst und pflegen ihr Gefieder. Nach der Fütterung - die Fänge werden wohl ins Nest gewürgt - stocherte der Nachwuchs mit langen Schnäbeln in den Nestern rum. Gegenüber von einem Nest ist eine Videokamera aufgebaut, die das Geschehen direkt in das Storchen-Informationszentrum überträgt. Big brother auch im Tierreich.

Wir paddeln nach einem Picknick am Strand in der Buhne gemütlich mit einer weiteren kleinen Pause nach Wittenberge, das vom Wasser aus wohl attraktiver aussieht als von Land aus. Vom Verein - ehemals Kanu-Leistungszentrum - aus geht man strammen Schrittes eine halbe Stunde bis in die Stadt. Und die soll sich nicht unbedingt zur Besichtigung lohnen erzählen zwei, die es gewagt haben. Hartwig geht Forelle essen, Ina und Jürgen kochen ebenso wie Brigitte und Werner, und Paul und Norbert und ich essen eine unangemeldete Erbsensuppe. Als wir in der Küche nachmittags fragten, ob wir auch unangemeldet mitessen könnten, bejahte die Köchin zögernd (und hat dann wahrscheinlich noch eine Tasse Wasser zur Suppe gegossen). Aber auch Würstchen gab es reichlich. Und wieder gibt sich ein LKV-Präsident die Ehre, uns zu begrüßen. Henry Schiffer: „Wenn ich denn gebeten werde ...“. Nach dem Essen trafen wir uns alle noch neben der Plane auf einen Wein oder Saft und eine Packung Chips. Die eine neu eingetroffene Berlinerin gesellte sich zum Wetterbericht zu uns und fragte, ob sie Willi mitbringen sollte. Klar, sagten wir und dachten an ihren Kumpel. Weit gefehlt, es war eine kleine Flasche mit Williams Christ Geist.

 

Montag, 25.7.  Wittenberge – Schnackenburg 22 km

Als ich um halb 7 aufwache, habe ich schon die Befürchtung, die anderen wären abgefahren, so ruhig ist es. Aber dann registriere ich das leise gleichmäßige Schnarchen, das heute erfreulich entfernt klingt. Viele lassen sich Zeit, denn die Strecke bis Schnackenburg ist nicht lang. Mit dem Gegenwind haben wir zwar gut zu tun, aber es ist warm und trocken. Einige Zeit fahren wir plaudernd neben den Berlinerinnen, klären das Woher und wo schon gewesen. Die eine, die mit Willi, kennt Bremerhaven ein bisschen und noch mehr, sie kennt Birgitt und Horst Poppe. Es ist Christel Bahr, von der Birgitt und Horst schon ganz viel erzählt haben, mit der sie früher schon viel unterwegs gewesen sind.

Zum geordneten Aufbauen der Zelte und Plane sollten wir doch noch mal einen Ablaufplan gegen Chaos verabreden, denn wenn die einen Boote holen und die anderen Zelte aufbauen wollen, dann kommt keiner so recht voran. Aber auch diesmal haben wir schließlich alle einen guten Platz und auch noch genügend Raum für die Plane.

"Das toteste Dorf Deutschlands" meint Hartwig - der Kiosk spricht dafür, dass er Recht hat. Ein rollender Bäcker und ebenfalls auf Rädern Lindas Lädchen versuchen, das Manko auszugleichen. Das Lokal Felizitas dagegen verspricht ein leckeres Abendbrot....

...und hält es auch. Doch vor dem Essen gibt es einen langanhaltenden kräftigen Regenschauer mit Sturmböen. Als es gerade so richtig losprasselt, sehen wir einen unserer Mitpaddler am Deich erwachen aus dem Nachmittagsschlaf. Doch er kommt nicht richtig auf die Füße, wankt und stürzt zu Boden, versucht es noch mal und fällt wieder hin. Wir rennen unter unserer Plane raus in Sturm und Regen und versuchen ihn anzusprechen. Neben ihm liegt eine dreiviertel geleerte Flasche Jägermeister-Verschnitt. Na Klasse. Wir klemmen ihn uns von 2 Seiten unter den Arm, nehmen die Flasche an uns (unsere Männer probieren nachher einen Schluck und sind nur mäßig begeistert). Nach der Rettungsaktion sind wir klitschnass, eine Sturmbö hat inzwischen die Leestange der Plane geknickt und die Heringe gelockert. Wir rödeln mit 5 Leuten und spannen und reparieren und werden nach länger anhaltendem ergiebigen Regen mit einem farbenprächtigen Regenbogen belohnt. Zum Essen bei "Felizitas"  gibt es die nur mäßig attraktive Wetterkarte im Fernseher, den Norbert aktiviert, und wir bewundern die beachtliche Sammlung an Kaffee- und Teekannen im Lokal und die singende Ente auf dem Klo.

 

Dienstag, 26.7. Schnackenburg - Hitzacker 50 km

Wir zelten in Schnackenburg innerhalb einer Buhne im Deichvorland – leider ungemäht - und nutzen die Sanitäranlagen des Dorfgemeinschaftshauses. Mit den Waschbecken sieht es mager aus, aber hinter einer Schiebetür verborgen finden wir eine Küche mit Warmwasser, genügend geräumiger Spüle für Norberts Füße und meinen Kopf und Steckdosen zum Föhnen und Rasieren.

Der Weg nach Hitzacker ist weit, daher machen wir uns früh auf den Weg. Es geht dann doch schneller als gedacht, und egal, wie lang die Strecke ist, die letzten km sind immer die anstrengendsten.

Hitzacker ist ein niedliches Städtchen, auf dessen mit vielen Rasenflächen angelegtem Wohnautostellplatz wir zelten. Leckere Geschäfte und Restaurants sind in gut erreichbarer Nähe, ein eigens für uns auf dem Stellplatz angeschlossener Hydrant sichert die Wasserversorgung. Für die Entsorgung stehen uns die öffentliche Toilette, Waschbecken und Dusche zur Verfügung, die aber leider zwischen 22 und 7 Uhr geschlossen sind. Wir hätten unsere Zahnbürsten eigentlich schon mit zum Essen („Zum Yachthafen“, sehr lecker) nehmen sollen. 

 

Mittwoch, 27.7. Hitzacker – Radegast 32 km

Wir schlafen aus, um nicht ohne Waschmöglichkeit aufstehen zu müssen und bummeln die Elbe runter bis Radegast. Den Campingplatz kannten wir schon von der Tour mit Brigitte und Werner vor Jahren und wussten, dass er einen kleinen Fußmarsch entfernt hinter dem Deich liegt. Wir bleiben daher nicht wie fast alle anderen an der Ausstiegsstelle, sondern entscheiden uns für die Alternative: nächste Buhne ohne Kühe. Hoffentlich hält der Zaun auch wirklich. Doch die Kühe machen einen friedlichen Eindruck - junge Mädchen eben.

Heute Abend wird gekocht – schade, das gemütliche Radlerlokal mit Bauernfrühstück und Sonnengarten habe ich leider zu spät entdeckt. Aber mit ein bisschen Wein schmeckt auch Cevapcici einigermaßen erträglich. Und Ina sammelt die abgestürzten Spagetti unverdrossen wieder vom Kuhfladen ab.

Unsere abendliche Weinrunde neben der Plane wird noch durch die Hamburger (Jens, Werner, Heike, Rolf und Jürgen) erweitert.

 

Donnerstag, 28.7. Radegast – Geesthacht 27 km

Sonne, Wärme, frische Brötchen und eine wunderschöne Elblandschaft. Leider sind die Sandbänke bald zu Ende, dafür lockt Lauenburg mit Eiscafes. Wir machen unsere Pause trotzdem erst ein Stück später am Trittstein. Die angekündigten gefährlichen Querströmungen bei AKW Krümmel und beim Speicherkraftwerk lassen ebenso auf sich warten wie das angekündigte Unwetter. Der Kanuverein Geesthacht liegt etwas außerhalb des Ortes, so dass sich der Einkauf in der Hitze als eine echte Herausforderung entpuppt. Als wir gerade wieder zurück sind, wächst sich das Jucken und Brennen in meinen Augen zu einer dicken Bindehautentzündung in beiden Augen aus. Paul hat glücklicherweise Tropfen, denn die Apotheke liegt mitten in der Stadt.

Nach der Fahrtenbesprechung mit vielen warnenden Hinweisen und Gebrauchsanweisung für Schleusung und Hafenbefahrung wandern wir zum Italiener, nächstgelegenes Lokal, und feiern den vorletzten Abend unserer Fahrt zusammen mit Paddlern aus Hannover (macht uns Lust auf die Leinefrühlingsfahrt), Braunschweig, Kassel und Frankfurt.

In der Nacht schlafe ich im Gegensatz zu den meisten andern tief und fest trotz Schnellstraße, wahrscheinlich weil meine Augen völlig verklebt sind und nicht mehr aufgehen ohne manuelle Hilfe.

 

Freitag, 29.7. Geesthacht  - Hamburg 3 Schleusen 47,5 km

Es sollen 43 Grad werden mit Unwettern am Nachmittag. Meine Augen sind dick, aber weniger rot und gucken gut. Da nicht alle gleichzeitig an dem schmalen Strand starten können, bringen wir unsere Boote ausnahmsweise mal richtig früh ins Wasser. Die Wartezeit bis zum Start verbringe ich am Sandstrand einer Nebenbucht mit Schreiben, während Norbert allein im Zweier unruhige Kreise zieht. Alle fragen ihn, wo er mich denn gelassen hat – was hat er geantwortet? Jedenfalls musste ich nicht per Anhalter weiterfahren. Die Schleuse in Geesthacht ist so groß, dass wir darin wie viele bunte Punkte aussehen. Wir paddeln dann bei schönstem Wetter zum verabredeten Sandstrand bei km 606,5, sammeln uns und starten nach einem Picknick zur letzten Etappe unserer Reise: Norderelbe, Hafen, vor den Elbbrücken in den Oberhafen, Zollkanal und dann durch die 2 Schleusen in die Alster. Just beim Anblick der Landungsbrücken um die Ecke ist meine Speicherkarte voll und einige Barkassen verhindern einen sofortigen Wechsel. In der Schaarttorschleuse schleust uns Klaus (?) als seine letzte Amtshandlung kurz nach seiner Verabschiedung. Über der Rathausschleuse hängt der Stander des ACC, ACCler stehen in ihren immer sauberen weißen Clubhemden auf der Brücke und applaudieren und winken. Sie sind mit dem Zehnerkanadier, der mit einem großen Transparent dekoriert ist,  zu unserem Empfang gekommen. Als wir auf die Alster hinaus fahren, wird der Himmel immer schwärzer, die angekündigten Unwetter rücken näher. Norbert und ich paddeln wie verrückt - so schnell waren wir noch nie - trotzdem erwischen uns die ersten dicken Regentropfen 1 km vor dem ACC. Zu spät ziehen wir unsere Jacken über und werden doch noch ziemlich nass. Der Regen prasselt so heftig, dass wir unter einer Brücke warten. So langsam holen uns die anderen ein, alle tropfnass bis auf die Knochen. Als es nur noch nieselt legen wir die letzten paar Meter zurück und rollen unseren Zweier auf der komfortablen Slipanlage aufs Gelände. Wir können gerade noch unseren Platz auf der Wiese aussuchen, als es wieder zu pladdern beginnt. Wir warten den Regen unter dem Dach und im Bootshaus ab. Der Sekt ist schon eingeschenkt, aber es dauert noch etwas länger, bis alle angekommen sind, ihre Zelte aufgebaut und sich trocken gelegt haben und dann der 2. Vorsitzende uns begrüßt und ein paar Worte zu 100 Jahren ACC spricht. Danach gibt es noch ein Grußwort vom LKV-Präsidenten Hans-Jörg  Otto und endlich auch eine offizielle, wirklich verdiente Würdigung der Organisatoren. Einige hatten Bilder von der Fahrt zu einem Ensemble zusammengestellt und davon Plakate vorbereitet, die unter großem Beifall an die Organisatoren übergeben werden. Allen voran ist sicher Günter zu nennen, Initiator und Organisator im Vorfeld der Fahrt. Unterwegs haben dann verschiedene Teams die Fahrtenleitung übernommen.

Nach der Begrüßung entpuppt sich die angekündigte Erbsensuppe als Hühnerfrikassee und schmeckt bestens. Die ACClerinnen, die eben noch mit uns gepaddelt sind, füllen nun die Schüsseln nach und versorgen uns bestens (Helga (war allerdings schon seit einigen Tagen wieder zu Hause), Uschi, Erika, Eva). Ein gastfreundlicher Empfang nach einer Reise voller Gastfreundschaft.

Roswitha kommt und holt Paul ab, Hartwig verabschiedet sich in seine nahe gelegene Wohnung. So langsam beginnt sich die Gruppe aufzulösen. Nach einem letzten Rotwein am Zelt schlafen wir die letzte Nacht im Schlafsack.

 

Samstag, 30.7. Hamburg - Bremen

In der Nacht gießt es wie verrückt, und so einige haben Wasserschäden zu beklagen. Der ACC lädt ein zu Brötchen und Kaffee, wir frühstücken im trockenen Klubraum. Um 9 Uhr bringen einige ACCler die Autofahrer nach Harburg zu ihren Wagen und lotsen sie dann zurück zum Verein. Werner startet mit dem Zug nach Wittenberge und einige fahren zu Globetrotter, um ihre Ausrüstung zu ergänzen. Jens bietet eine Stadtführung an, und wir legen unsere halbtrockenen Zelte zusammen, bevor es noch mehr regnet. Als Jürgen mit dem Wagen kommt, passt tatsächlich alles problemlos rein, vom ACC verabschieden uns Brigitte (eine meiner morgendlichen Mitwäscherinnen) und ihr Mann (Norberts Waschbeckenpartner), und die Rückfahrt nach Bremen geht dann zügig vonstatten. Statt Imbiss entscheiden wir uns doch lieber für den Griechen und sind damit auch sehr zufrieden.

Unser Keller ist nur ganz minimal am Eingang geflutet, Post und Blumen von Frau Meyer sorgfältig betreut und alles in bester Ordnung.

 

Sonntag, 31.7.

Noch ein Tag mit zunächst gutem Wetter. Wir bauen das Zelt zum trocknen auf dem Balkon auf, ich wasche 3 Maschinen Wäsche und bin neugierig, was morgen in der Landesbildstelle auf mich wartet.

 

Ein erlebnisreicher, gut organisierter Urlaub in verschiedenen schönen Landschaften und meist mehr und nur selten weniger malerischen Orten mit sehr netten, hilfsbereiten, toleranten, genussfreudigen und interessanten Mitpaddlern mit genügend individuellen Freiheiten bei verbindenden Gemeinschaftserlebnissen.

Gesamt 650 km gepaddelt

 

Inge Voigt-Köhler, KanuSport-Freunde e.V. Bremen