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Von der Quelle bis ans Schwarze Meer

Brigitte und Werner Born sind die Donau hinabgepaddelt: 2500 Kilometer weit und über Ländergrenzen hinweg

TID-2011-Vidin-Presse-BW0001Von Sandy Bradtke Schwachhausen. Zehn Wochen und sechs Tage lang haben Brigitte und Werner Born in ihren Einer-Kajaks gesessen und sind die Donau entlanggepaddelt, von ihrer Quelle bis zur Mündung im Schwarzen Meer, eine 2500 Kilometer lange Strecke durch mehrere Länder. Die beiden Bremer haben an der 56. Tour International Danubien (TID) teilgenommen, der längsten Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt.

Von über 350 Teilnehmern haben in diesem Jahr gerade einmal 16 Paddler die komplette Strecke bewältigen können. Das Ehepaar Born gehört zu den wenigen, die bis zuletzt durchgehalten haben.
Paddeln ist Werner Borns Leidenschaft. Der 72-Jährige war 20 Jahre alt, als er anfing, mit einem Faltboot in der Hamburger Alster und kreuz und quer durch die Kanäle zu fahren. 1968 kam er mit seiner Frau Brigitte (75) nach Bremen. Um den Schulkanusport zu fördern, gründete das Ehepaar zusammen mit zehn weiteren Freunden und Verwandten 15 Jahre später den Verein Kanusportfreunde Bremen.

Werner Born setzte sich während seiner Tätigkeit als Englisch- und Sportlehrer stark dafür ein, dass Kanusport als regelmäßiges Wahlpflichtfach an Bremer Schulen angeboten werden konnte. "Arbeitsgemeinschaften, die Projektfahrten organisiert haben, gab es früher natürlich auch schon", erinnert sich Born. Doch erst seit 1977 seien auch kanusportliche Inhalte ein Teil der Abiturprüfung geworden.TID-2011-Stadtteilkurier-06.10.11

Auch in Brigitte Borns Berufsleben wurde Kanusport bald zu einem festen Bestandteil. Die ausgebildete Krankenschwester qualifizierte sich zur Übungs- und Ausbildungsleiterin des Deutschen Kanuverbandes (DKV) und unterrichtete bei den Kanusportfreunden und an mehreren Schulen Paddeln und Schwimmen.

Ein Sport mit Verantwortung "Wir haben sehr viel Jugendarbeit gemacht in unserem Leben", erzählt Werner Born. Nach Aussage des Paddelsportlers trägt man dabei stets viel Verantwortung: "Es müssen Routen abgeschätzt werden, und bei den Touren muss man sich nicht selten das Gejammer anhören, wenn die jungen Menschen nicht mehr weiterkönnen", sagt der Schwachhauser. Da sei so eine Wanderfahrt wie die TID, bei der jeder auf sich alleine gestellt sei, etwas völlig anderes.

Die 2500 Kilometer von der Quelle der Donau bis ins Schwarze Meer seien streckenweise sehr anstrengend gewesen, gibt Werner Born zu. Auf der Strecke zwischen Belgrad und der serbisch-bulgarischen Grenze mussten die Paddler in ihren Einer-Kajaks mehr als elf Stunden lang mit starkem Gegenwind kämpfen.

"Ich habe gesehen, wie gestandene und erfahrene Sportler bis an ihr Äußerstes kamen und schließlich aufgeben mussten", erzählt Werner Born. Doch Brigitte, die am Ende als einzige Frau ins Ziel paddelte, und ihr Mann hielten durch. Insgesamt hatten die Wassersportler elf Ruhetage zur Verfügung, an denen einige der Städte von den zehn Staaten, die die Donau berührt, besichtigt werden konnten. Nachts schliefen die Kajakfahrer in Zelten, tagsüber waren sie auf dem Wasser unterwegs und ließen Etappe um Etappe hinter sich. Dabei mussten sie nicht nur ihr eigenes Körpergewicht über das Wasser gleiten lassen: 70 Kilogramm hat die gesamte Ausrüstung von Werner Born gewogen.

Pausen zu machen, vermieden die Borns: "Bei jeder Rast taten uns die Knochen weh. Während des Paddelns merkt man das nicht so", erklärt Werner Born. An der TID-Tour gefallen dem Rentner vor allem der hohe sportliche Anspruch und die große Kameradschaft, die unterwegs zwischen den Teilnehmern entsteht.

Mit vielen der Bekanntschaften, die er während der Zeit auf dem Wasser gemacht hat, möchte Werner Born weiterhin in Kontakt bleiben: "Das ist einfach auch schön, dass wir durch so eine Tour in unserem Alter noch neue Freunde finden." Donau ohne Grenzen Von Anfang an war es das Ziel der TID, die 1956 gegründet wurde und seitdem einmal pro Jahr veranstaltet wird, eine Donau ohne Grenzen befahren zu können. Das gegenseitige Kennenlernen von Menschen aus verschiedenen Ländern und die Förderung von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern, insbesondere Menschen in den Ländern, durch die die Donau strömt, stehen dabei im Vordergrund.

"Wir sind Botschafter des Friedens", sagt Werner Born, der stolz darauf ist, dass durch die Bemühungen der Kanuverbände der beteiligten Länder bereits eine Annäherung zwischen Serben und Kroaten stattgefunden habe. 2010 ist nun auch in Rumänien ein Kanu-Verein gegründet worden, der nun das jüngste Mitglied in der TID-Gemeinschaft bildet. Laut Werner Born fehlen jetzt nur noch Kroatien, die Republik Moldawien und die Ukraine, um den Traum von der grenzenlosen Donau zu erfüllen.

An der Donau-Paddeltour nehmen überwiegend ältere Menschen und Familien teil: "Eben Leute mit Zeit", sagt Born, der zusammen mit seiner Frau nicht zum ersten Mal das Wagnis der internationalen Tour bewältigt hat. "Das war auch sicher nicht das letzte Mal, dass wir dabei waren", sagt er. Allerdings werden die zwei Rentner bei der nächsten Tour wahrscheinlich nicht wieder die komplette Strecke abfahren.

Durch regelmäßiges Paddeln halten sich die Borns auch in Bremen fit. Jeden Dienstag sitzen sie in ihren Einer-Kajaks und paddeln mindestens eine Stunde über die Weser. "Da tut man was und ist draußen", sagt Werner Born. Mit seinem künstlichen Kniegelenk kann er an Land nicht mehr viel Sport machen: "Ich darf nicht Ball spielen, und meine längste Jogging-Strecke wäre wohl ein Zebrastreifen." Ihm bleibe der Wassersport - und das Wattwandern.
Informationen zur TID gibt es unter www.tour-international-danubien.org 

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 06.10.2011