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Mitglied im Landes-Kanu-Verband und im Landessportbund Bremen

 


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Mit dem Paddel durch Europa

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Auch mit über 70 verbringt das Ehepaar Born seine Freizeit am liebsten auf dem Wasser

Der Kanusport ist die große Leidenschaft von Brigitte und Werner Born. Gemeinsam haben sie Tausende Kilometer mit dem Paddel in der Hand zurückgelegt. Werner Born gründete zudem den Verein „Kanusportfreunde Bremen“ Auch mit über 70 sind er und seine Frau noch immer am liebsten mit ihren Booten auf Europas Wasserstraßen unterwegs.

VON MAX POLONYI

 
Bremen.  Brigitte und Werner Born beherrschen die „Eskimorolle“. Sie sind also während der Fahrt mit einem Kajak in der Lage, ihr Boot in eine Richtung zu kippen, mit dem Kopf ins Wasser einzutauchen, und auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Was für Laien unangenehm klingen mag, nennen fortgeschrittene Kanuten scherzhaft „Erfrischungsrolle“. Und das Ehepaar Born kann man getrost als fortgeschritten bezeichnen.
 
Werner Born, heute 73 Jahre alt, gründete 1983 den Verein „Kanusportfreunde Bremen“. Gemeinsam mit seiner 76-jährigen Frau Brigitte überquerte er den Ärmelkanal – mit dem Kajak, versteht sich. Das Paar paddelte die Donau hinunter, von Ingolstadt bis ins Schwarze Meer. „Zusammen haben wir Tausende Kilometer auf dem Wasser zurückgelegt“, erzählt Werner Born. Der Kanusport ist ein verbindendes Element in ihrem Leben. Hier und da, so sagen sie, müssten sie dem Alter inzwischen Tribut zollen. Der Leidenschaft am Paddeln tue das aber keinen Abbruch.
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Ehepaar Born bei den Presseaufnahmen (Foto: N.K.)

„Gemeinsam Kanufahren, das bedeutet, man ist für einen Zeitraum ganz nah zusammen, erlebt Regen, Gewitter oder Hitze, geht gemeinsam durch dick und dünn“, sagt Werner Born. „Dabei entwickelt sich ein tolles Gemeinschaftsgefühl“, ergänzt seine Frau Brigitte. Besonders die Nähe zur Natur habe es ihnen beim Kanufahren angetan. Denn wer in einem Kajak sitzt, der ist der Wasseroberfläche ganz nah. Man sehe die Natur mit anderen Augen, sagt Brigitte Born, nicht aus der üblichen Perspektive von oben. „Man ist mit dem Kopf auf Blütenhöhe“, findet die 76-jährige und lacht.
 
Die Geschichte von der Leidenschaft zum Paddeln ist auch die Geschichte einer Ehe, die seit fast 50 Jahren besteht. Kennengelernt haben die zwei sich 1959 in einem Hamburger Krankenhaus. Er als Patient, sie als Krankenschwester. „Irgendwann stand ich am Elbufer, und sie fuhr mit ihrem Boot vorbei.“ Das Boot sei ein damals übliches Faltboot gewesen, bestehend aus einem Holzgestänge samt Gummihaut, mit Platz für zwei Personen. „Ich war allein unterwegs, da habe ich ihn einfach mitgenommen“, erzählt Brigitte Born.

„Wir fahren seit über 40 Jahren gemeinsam Kanu.“
Werner Born

 


 

 
48 Jahre lang sind die Borns nun miteinander verheiratet. 1968 zog es die beiden von Hamburg nach Bremen, „weil das Wohnungsangebot hier besser war“, erzählen sie. Ob der Kanusport das Bindemittel ihrer Beziehung ist? „Uns verbindet die Liebe zum Wasser“, sagt Werner. „Wenn wir zurückblicken, haben viele wichtige Ereignisse in unserem gemeinsamen Leben mit dem Kajak zu tun.“
 
Werner Born war lange Zeit Gymnasiallehrer in der Schule am Leibnizplatz in der Neustadt. Seine Frau und er führten dort 1973 den Kanusport für Schüler ein. „Ein voller Erfolg“, sagt Brigitte Born. Gemeinsam mit den Schülern veranstalteten sie Wanderfahrten über das Wochenende, zum Beispiel auf der Wümme durch Niedersachsen. „Wir haben selbst keine Kinder“, erzählt Werner Born, „und wollten es den Schülern ermöglichen, diesen wundervollen Sport zu erleben.“

1983 gründete er dann den Verein „Kanusportfreunde Bremen“. 100 Boote liegen heute im Vereinshaus hinter dem Weserstadion. Der Verein zählt 200 Mitglieder. Das Besondere an den Kanusportfreunden sei vor allem die niedrige Beitragsgebühr von 60 Euro im Jahr. „Ich wollte einen Verein gründen, bei dem jeder mitmachen kann und bei dem nur das Kanufahren im Vordergrund steht“, erzählt Werner Born.
Bei allem, was das Paar für den Kanusport in Bremen getan haben, könnten sie sich eigentlich inzwischen getrost zurücklehnen und das Paddel aus der Hand legen. Aber weit gefehlt: Auch mit über 70 Jahren kann man die beiden noch auf den Flüssen Europas antreffen. In diesem Jahr waren sie Teilnehmer bei der „57. Tour International Danubien“ – einer Wanderfahrt über die Donau, von Ingolstadt bis ins Rumänische Calarasi. 2500 Kilometer die Donau hinunter in nur zweieinhalb Monaten. Eine beachtliche Leistung. „Wir fahren seit über 40 Jahren gemeinsam Kanu, da stellt sich eine gewisse Routine und Ausdauer ein“, sagt Werner Born. Langsam aber sicher würden die beiden aber doch merken, wie das Alter sich bemerkbar mache.

„Wir haben uns vor drei Jahren vom Wildwasser verabschiedet“, erzählt Brigitte Born. „Dazu haben wir einfach nicht mehr die nötige Schnellkraft.“ In Zukunft wollen sie zudem darauf achten, dass sie bei Wanderfahrten, wie zum Beispiel im vergangenen Sommer auf der Donau, nicht länger als fünf Stunden am Stück im Boot sitzen. „Wir brauchen inzwischen längere Erholungszeiten“, sagt Werner Born. 
Trotz der Einschränkungen lassen beide ihre Boote noch mindestens einmal pro Woche zu Wasser. „Von April bis Juli sind wir sicherlich auch viermal die Woche im Boot“, sagt Brigitte Born.

Dabei führen die beiden meist nicht gemeinsam in einem Kajak für zwei Personen, sondern jeder für sich allein. „Nach 48 Jahren Ehe hat man sich schon eine ganze Menge erzählt“, sagt Frau Born. „meistens fahren wir den ganzen Tag nebeneinander her und schweigen“, ergänzt sie ihr Mann. Erst am Abend, wenn das Nachtlager aufgeschlagen ist und man gemütlich beim Lagerfeuer sitze, berichteten sich die beiden davon, wie sie den Tag erlebt hätten.
 
So wird der Kanusport die Borns auch in Zukunft kaum loslassen. Ob sie sich vorstellen könnten, noch einmal die Tapeten zu wechseln und vom Meer in die Berge zu ziehen? „Nur, wenn direkt vor dem Haus ein Bergsee ist, auf dem wir fahren können“, sagt Brigitte Born und lächelt.
 

Quelle: Weser-Kurier vom 21.10.2012 Seite 10