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Salzwasserfluss Werra

Jedes Jahr um Punkt 12 Uhr am Dreikönigstag findet am „Punkendeich“ die Bremer Eiswette statt. Das Spektakel hat fast 200 Jahre Tradition und wird gut besucht, obwohl sich die Spannung über den Ausgang der Wette seit Jahren sehr in Grenzen hält: Durch die Weserbegradigung und den hohen Tidenhub kann die Weser praktisch nicht mehr zufrieren. Selbst im bisher sehr kalten Winter 2010/11 hieß es wieder: „De Weser geiht!“ Ein weiterer Grund dafür, dass sich kein Eis gebildet hat, war die lange Zeit sehr starke Versalzung der Weser.

Seit dem 19. Jahrhundert ist Kalisalz als Düngemittel für die Landwirtschaft von großer wirtschaftlicher Bedeutung. An der Werra wird es seit Anfang des 20. Jahrhunderts unter Tage abgebaut. Bei der Kaligewinnung fällt salzhaltiges Abwasser an, das dann zum Teil in die Werra und ihre Nebenflüsse eingeleitet wird.

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           Kalihalde im Werratal (Foto: Armin Kübelbeck, CC-Lizenz)

Besonders extrem war die Belastung zu DDR-Zeiten, als vor allem in Thüringen, aber daneben auch in Hessen verklappt wurde und beide deutsche Staaten sich die Verantwortung für die Verschmutzung zugeschoben haben. Aber auch heute leidet die Werra noch unter dem Salzeintrag.

Die Wasserrahmenrichtlinie von 2000 verlangt, dass innerhalb von 15 Jahren ein guter ökologischer und chemischer Zustand der Gewässer in Europa erreicht wird. Bei künstlichen und stark veränderten Gewässern soll zumindest ein gutes ökologisches Potential geschaffen werden. Der Zustand eines Gewässers lässt sich an den darin lebenden Organismen ablesen. Während in vergleichbaren Mittelgebirgsflüssen bis zu 100 verschiedene Arten von Insektenlarven und Kleinkrebsen leben, gibt es in der Werra vor allem eine einzige Art, den nordamerikanischen getigerten Flohkrebs. Den gibt es dafür massenhaft. Außerdem haben sich in der Werra Tang ausgebreitet, der ansonsten im Meer zu Hause ist. Fische gibt es in der Werra dagegen kaum noch.

Um den Zustand von Werra und Oberweser zu verbessern, haben Hessen und Thüringen 2007 einen Runden Tisch mit Vertretern aus Wirtschaft, insbesondere das Unternehmen Kali und Salz (K+S AG), Politik, und Gesellschaft gegründet. Der Runde Tisch hat Anfang 2010 als Empfehlung ausgesprochen, spätestens ab 2020 keine Salzlauge mehr in die Werra einzuleiten, die salzhaltigen Abwässer insgesamt bis 2015 um 50 % zu verringern und weitere Möglichkeiten zur Verringerung nach Stand der Technik zu nutzen. Eine weitere Pipeline, die K+S zuvor zur Werra geplant hatte, soll durch eine Pipeline in die Nordsee oder die Unterweser ersetzt werden. Allerdings gibt es dagegen noch Widerstände von Niedersachsen.

Über den großen politischen Kämpfen gegen industrielle Verunreinigung der Gewässer wird manchmal übersehen, dass auch eine übermäßige Verwendung von Streusalz im Winter zur Belastung beitragen kann. Die gesetzlichen Einschränkungen werden in Bremen kaum beachtet. Darunter zu leiden hat neben den Gewässern zur Zeit der Schneeschmelze vor allem der Baumbestand. Auf den Mittelstreifen der Autobahnen hat sich die Vegetation inzwischen angepasst: dort wachsen typische Pflanzen der Salzwiesen, wie der Krähenfuß-Wegerich. In Bremen gab es schon lange eine Stelle, an der aus natürlichen Gründen salzliebende Pflanzen gedeihen: die Pannlake im westlichen Hollerland. Diese sogenannte Binnensalzstelle wird von Grundwasser aus dem Lilienthaler Salzstock gespeist.