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nav ksf110KanuSport-Freunde e.V. Bremen
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Nach Durban oder: Zwanzig Jahre Klimawandel

 

 

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Es fällt manchmal nicht leicht, sich unbeschwert den kleinen Dingen, den Tieren und Pflanzen rund um die Fließgewässer zu widmen, wenn das Große und Ganze in Frage gestellt wird.

Vor gut zwanzig Jahren war ich das erste Mal in Bremen. Ich ging damals in einer kleinen norddeutschen Stadt zur Schule und war in der Jugendorganisation eines Umweltverbandes. In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr bin ich mit ein paar anderen auf eine Konferenz über globale Umweltveränderungen gefahren. Tagsüber haben wir in den Klassenzimmern einer Schule über Methanemissionen von Kühen diskutiert und nachts mehr schlecht als recht, Isomatte an Isomatte, in einer Turnhalle übernachtet. Am letzten Abend haben wir zusammen Silvester gefeiert und vor unserer Abreise am Neujahr am Roland zu Samba-Rhythmen gegen den Klimawandel demonstriert. Ich erinnere mich an eine damals etwa fünfzigjährige Bremer Passantin, die sich spontan mit uns solidarisch erklärte.

Gegen „den“ Klimawandel? Was wussten wir denn damals davon? Und was bedeuten am Ende 2, 3 oder vielleicht sogar 6 Grad Celsius globale Erwärmung? Heute kommt es mir so vor, als hätte ich zwanzig Jahre gebraucht, um auch nur ein bisschen davon zu begreifen. Ich habe nie ganz die Aktivisten verstanden, die mit leuchtenden Augen über den drohenden Untergang gesprochen haben, als wäre er eine gerechte Strafe für unsere Verfehlungen. Ich gebe zu, dass ich trotz meines anfänglichen Engagements die meiste Zeit innerhalb dieser letzten zwanzig Jahre nichts davon wirklich wahr haben wollte. Anfangs hatte ich gehofft, dass sich der Klimawandel irgendwann als ein kleiner, aber folgenreicher Rechenfehler in den komplexen Klimamodellen herausstellen würde. Irgendwann kam dann die Meinung auf, dass wohl doch was dran sei, aber es ja naturhistorisch gesehen immer schon Klimaveränderungen, also Eis- und Warmzeiten, gegeben habe. Es ist bei aller Betriebsamkeit gar nicht so schwer, nicht an die Zukunft zu denken und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

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Globaler Klimawandel während der letzten 1300 Jahre: Das umstrittene Hockeyschläger-Diagramm wurde im Grundsatz durch andere Studien bestätigt (Quelle: IPPC 2007, http://www.ncdc.noaa.gov/paleo/pubs/ipcc2007/fig610.html).

 

 

Aber irgendwann kommt dann ein Artikel im Wissenschaftsteil der Tageszeitung, in dem versichert wird, dass die empirischen Daten der Paläoklimatologen, die sich mit der Klimaentwicklung in grauer Vorzeit beschäftigen, sich immer besser mit den mathematischen Modellen der theoretischen Klimatologen decken.

Illustriert wird das in der Zeitung vielleicht noch mit der Grafik, in der frühere Klimaschwankungen wie Schlaglöcher oder sanfte Steigungen auf einer Straße aussehen, aber die prognostizierte Erwärmung eher wie die Mauer am oberen Ende einer steilen Böschung. Wie die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban wieder zeigt, verhalten wir uns wie ahnungslose Fahranfänger im Geländewagen. Wir sind schon über viele Schlaglöcher und Buckel gefahren und die Stoßdämpfer haben sie immer verlässlich abgefedert. Doch jetzt ragt vor uns diese Mauer hoch - die kommt ganz schnell näher und wird dabei immer größer. Wir wollen nicht bremsen: wir könnten Zeit verlieren. Wir wollen nicht umsteuern: wir wüssten nicht, wohin. Wir können nur hoffen, dass unsere Stoßdämpfer auch für hohe Mauern geeignet sind.