nav ksf110KanuSport-Freunde e.V. Bremen
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Das schwimmende Land von Waakhausen

oek-EisvogelÜber die germanischen Moorbewohner, die damals in der Gegend um Bremen und Oldenburg gelebt haben mögen, schrieb der römische Historiker Plinius der Ältere:

„An der Nordseeküste überflutet der Ozean zweimal binnen Tag und Nacht in ausgebreiteter Flut einen unermeßlichen Landstrich und verursacht einen ewigen Streit der Natur, so daß man nicht weiß, ob diese Gegend zum festen Lande oder zum Meere gehört. . . . Ein armseliges Volk wohnt dort auf hohen Hügeln oder mit Händen gemachten Erdhaufen, welche die höchste bekannte Flut überragen. Wenn das Wasser die umliegende Gegend bedeckt, sehen die Leute in ihren auf den Hügeln errichteten Häusern wie Schiffahrer aus, und wenn es sich wieder verläuft, scheinen sie Schiffbruch gelitten zu haben. . . .

Den mit der Hände Arbeit gewonnenen Torf trocknen sie mehr durch den Wind als durch die Sonne und wärmen mit dieser Erdart ihre Speisen und ihren vom Nordwind steifen Leib".                                                                

       oek-Plinius

Im Laufe der Zeit hat der Mensch den Charakter der Landschaft verändert: Die Marschen wurden eingedeicht und die großen Moorflächen Niedersachsens entwässert, abgetorft und urbar gemacht. Im Teufelsmoor war es im 18. Jahrhundert Jürgen Christian Findorff, der die Moorkolonisation im großen Stil plante. Bis etwa Anfang des letzten Jahrhunderts gab es dort das sogenannte schwimmende Land von Waakhausen: Die weitläufige Moorfläche des Teufelsmoors wurde durch Gräben aufgeteilt, die bis in den Lehmuntergrund reichten. Durch Verwitterungsprozesse und Frost konnten sich die Moorflächen vom Untergrund lösen und beim nächsten Hochwasser aufschwimmen.

Eine Paddeltour auf der Hamme oder Beek durch das Gebiet des Teufelsmoors ist auch heute noch lohnend, auch wenn sich die baumlosen Weiten der ehemaligen Charakterlandschaft Niedersachsens nur noch erahnen lassen. Eines der letzten Teilstücke ist das sogenannte Günnemoor, das etwa 10 km nordwestlich von Worpswede liegt. Wo früher das Birkhuhn und der Goldregenpfeifer brüteten, war lange Zeit nur das Dröhnen der großen Maschinen zu hören, mit denen der Torf abgebaut wurde. Ende der 1990er Jahre wurde ein Teil des Moors wieder vernässt und renaturiert. Inzwischen brütet dort der Kranich.



Plinius der Ältere (aus: Naturalis historiae - Aufl. aus d. 17. Jh.)

Trotzdem ist das Überbleibsel des Teufelsmoors weiterhin bedroht. So wurde vor einiger Zeit der Plan bekannt, dass die Genehmigung für einen weiteren großflächigen Torfabbau erteilt werden könnte. Nachdem sich lautstarke Proteste vernehmen ließen, scheint jetzt aber auch bei den Verantwortlichen in Niedersachsen die Botschaft angekommen zu sein, dass die letzten Reste der Urlandschaft bewahrt werden sollten: In Tausenden von Jahren sind in den Hochmooren bis zu zehn Meter dicke Schichten Torf gewachsen, die große Mengen Kohlenstoff binden. Um das Moor zu entwässern und den Torf maschinell abzubauen, reichen wenige Jahrzehnte.

Wie Herr Prof. Dr. Brunken von der Hochschule Bremen auf der Ökoschulung der KanuSport-Freunde im letzten Mai berichtete, befinden sich unter den Wiesen der Hamme- und Wümmeniederung immer noch tiefgründige Torfschichten. Zurzeit ist es gerade der hohe Maispreis bedingt durch die Biogasproduktion, wegen dem die Bauern ihr Dauergrünland umpflügen. Dadurch gehen nicht nur die Lebensräume für Wiesenvögel verloren, sondern es wird auch bei der Zersetzung des fossilen Torfs Kohlendioxid frei: Ironischerweise entsteht dann genau dort Treibhausgas, wo es eigentlich eingespart werden sollte.

Olaf Dilling - Umweltbeauftragter