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„Aliens“ am Flussufer – Bericht über die Ökologieschulung im Mai 2014

oek EisvogelSind unsere Kinder vom digitalen Medienkonsum verwöhnt und für nichts mehr zu begeistern? Die Teilnehmer einer Ökoschulung im Mai 2014 am Wümme-Nordarm konnten einen anderen Eindruck gewinnen: Nein, froh zu sein, bedarf es immer noch wenig. In diesem Fall sind es ein paar altgediente Kescher und Siebe unterschiedlicher Größe und Maschenstärke, einige Eimer und ein Aquarium, die den Jagdinstinkt nicht nur der jüngsten Paddler unter uns entflammt haben. Während auf der Jagd die letzte Wechselhose beim Waten in der Wümme am hochgekrempelten Saum nass wird, füllt sich das Aquarium mit Lebewesen.

oeko 2015 1Wasserskorpion (Foto: Holger Gröschl)

 

Die blühendste Fantasie eines Programmierers virtueller Welten hätte sich die seltsamen Lebensformen nicht ausdenken können, die in wenigen Kubikmetern Schlamm und Wasser wuseln: Im Becken schwimmen mehrere junge Flussneunaugen. Sie gehören zu der archaischen Gattung der Rundmäuler, die keinen Kiefer haben und deren Eltern sich im Meer an großen Fischen saugend ernähren. Auch ein Stichling ist ins Netz gegangen, ein kleiner Fisch mit Stacheln am Rücken, dessen Bauch rot wird, wenn er sich aufregt; ein Wasserskorpion mit einem Atemrohr am Körperende, mehrere Libellenlarven, die ihren Unterkiefer, die sogenannte „Fangmaske“, blitzartig ausklappen können, um Beute bis zur Größe von Kaulquappen zu fangen. Wasserläufer, die mit ihren Beinen wahrnehmen, wenn ein Insekt ins Wasser gefallen ist und über das Wasser gehen können, um es auszusaugen. Außerdem einzelne Eintagsfliegenlarven, Käfer, ein paar Bachflohkrebse, Egel, wenige Wasserschnecken.

Mit dabei ist Marga Bahr von der Stiftung NordWest Natur. Sie hatte uns schon zuvor, an einem Abendtermin, berichtet, warum die Wümmewiesen erhalten werden sollen, was die Stiftung dafür tut und was jeder Einzelne dazu beitragen 

kann. Manfred Schütte vom Landes-Kanu-Verband Bremen hatte Wissenswertes über die naturverträgliche Fahrtenplanung ergänzt. Zu dem „praktischen Termin“ vor Ort hat Marga Professor Heiko Brunken von der Hochschule Bremen eingeladen, der das Material gestellt hat und geduldig alle Fragen zu den Tieren beantwortet.

Für den Ökologen Heiko Brunken ist das gefüllte Aquarium wie ein Bildschirm, an dem er den Zustand des Gewässers ablesen kann. Bachflohkrebse sind für ihn bedenklich, da sie sich in verschmutzten Gewässern wohlfühlen. Es sind aber nur wenige. Dass es Eintagsfliegen gibt, lässt hoffen, sie zeugen von guter Wasserqualität. Allerdings ist er etwas besorgt, wie wenig Weichtiere, Schnecken und Muscheln, wir finden. Sie sind sozusagen die Staubsauger und Filteranlagen, die aus dem Fluss beständig Algen und Nährstoffe herausholen. Wenn sie nicht nur zufällig fehlen, könnte sich das Gewässer nicht mehr ausreichend selbst reinigen.

Die Tiere kommen schließlich alle wieder in die Wümme, aber wir fahren noch nicht nach Hause. Marga will mit uns noch bis Borgfeld paddeln. Unterwegs sind wir in Kanadiern, um in der relativ großen und vielfältig zusammengesetzten Gruppe gut beisammen bleiben zu können. Es ist gar nicht so einfach, den vielen Flussbiegungen zu folgen und dabei den Weidenbüschen am Ufer auszuweichen. Das Steuern erfordert unsere volle Konzentration, um die Rede vom „Prallhang“ nicht zu wörtlich zu nehmen, und die Gruppe soll sich nicht zu sehr auseinanderziehen. Von unseren Plan, auf dem Weg Müll zu sammeln, nehmen wir daher bald Abstand. Am Schluss kommen aber alle ohne größere Zwischenfälle bei der Kanuscheune an. 2015 findet eine Öko-Schulung voraussichtlich im September statt.

Olaf Dilling - Umweltbeauftragter