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Winterurlaub im 21sten Jahrhundert

oek Eisvogel„Leise rieselt der Schnee…“ erklingt es im Wohnzimmer im Kerzenlicht des Weihnachtsbaums, während durch die Fenster ein merkwürdig orange-gelber Schein leuchtet: das Scheinwerferlicht des Weserstadions wird von schneeschwangeren Wolken reflektiert, die tief über den Häusern der Nachbarschaft hängen. Jetzt wo wir aus dem Winterurlaub zurück sind, kommt plötzlich der Schnee – und nicht nur im Harz, wo wir Langlaufen wollten, sondern auch hier in Bremen.

Wir haben trotzdem drei schöne Tage in Clausthal-Zellerfeld verbracht und waren nach Wildemann und Hahnenklee gewandert. Deutlich wurde bei den Wanderungen an Flüssen und Gräben, den zahlreichen aufgestauten Teichen und unter Tage in den Bergwerksgruben, welche wichtige Rolle neben den Bodenschätzen und dem Holz die dritte bedeutende und heute wohl wichtigste Ressource des Harzes spielt: das Wasser. Wir hatten es uns eigentlich in einem anderen Aggregatzustand, als Eis und Schnee erhofft, aber auch so war es beeindruckend, egal ob es wie die Innerste bei Wildemann in Bewegung war oder in dunklen Teichen des sogenannten Oberharzer Wasserregals ruhig die Fichten spiegelte. Im Schaubergwerk erklärte der Museumsführer, wie das Wasser planvoll umgeleitet, gestaut und bei Bedarf in die Stollen geleitet wurde, um Vorrichtungen anzutreiben, die Menschen in den Berg brachten, Erz förderten und sogar Schöpfwerke zur Entwässerung der Stollen betrieben. Heute wird das Wasser im Harz vor allem für die Trinkwasserversorgung genutzt oder auch für die Elektrizitätserzeugung. Eine umstrittene Nutzung ist die Entnahme von Wasser, um beispielsweise am Wurmberg mit Schneekanonen im großen Stil Abfahrtspisten zu beschneien. Funktionieren tut das ohnehin nur, wenn es kalt genug ist.

Skiloipe im Harz oberhalb Oderstausee (Foto: Axel Hindemith, Wikimedia, CC by SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Harz_Skiloipe.jpg)

Dass im Harz so viel Wasser vorhanden ist, liegt an der geografischen Lage als das erste große Gebirge, auf das in Norddeutschland die Regenwolken von der Nordsee stoßen. Die Wälder und Moore speichern das Wasser, so dass es auch im Hochsommer noch fließt. Viele Flüsse haben hier ihre Quelle. Bei Paddlern wohlbekannt sind Flüsse wie die Innerste oder die Oker. Am Ende unseres Aufenthalts im Harz war es dann doch noch kalt geworden. Als es anfing zu schneien, war im Clausthal ein großer Zug Kraniche aufgetaucht. Sie hatten sich wohl schon damit eingerichtet, den Winter ausnahmsweise in Deutschland zu verbringen. Nun stand doch noch der Flug ins spanische Winterquartier an. Auch wir mussten uns auf den Weg zurück nach Bremen machen, wo wir nun ein letztes Mal die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet haben.

Ganz zu Ende ist der Urlaub noch nicht, denke ich mir. Als die Kinder im Bett sind, hole ich mir die Langlaufski aus dem Keller, die ich bei der Fahrt in den Harz zu Hause ließ, nachdem ich den Reisewetterbericht gelesen hatte. Mit einer aus einem Fahrradhelm und einer kleinen Taschenlampe improvisierten Kopfleuchte fahre ich damit zum Osterdeich und dann am Bootshaus des KSF vorbei zum Weserwehr. Der Schnee ist ideal. Gerade hoch genug, um nicht auf Steine zu fahren, aber nicht so hoch, um mühsam eine Spur ziehen zu müssen. Am Werdersee wird es dann schwieriger. Der starke Wind hat den Schnee auf der Deichkrone verblasen, so dass sich weiter unten, am Deichfuß unregelmäßige kleine Verwehungen gebildet haben. Irgendwo in der Mitte suche ich mir meinen Weg. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich über den Deich auf einen Weg zwischen Naturschutzgebiet und Kleingärten, da es hier windgeschützter ist und der Schnee regelmäßiger gefallen. Über die Erdbeerbrücke geht es zurück und noch mal durch die Pauliner Marsch. Auf den Weserwiesen ist der Schnee fast vereist und der Wind treibt mich weiter Richtung Innenstadt. Am Wall biege ich ab und fahre über die Bischofsnadel zurück ins Viertel. Hier ist wenig Wind und viele kleine Straßen, in denen der Schnee liegen geblieben ist. Da es inzwischen nach Mitternacht ist, ist kaum noch jemand auf der Straße, nur ab und zu ein Taxi oder Leute, die Gehwege räumen. Als ich zu Hause in der östlichen Vorstadt ankomme, bin ich ähnlich erschöpft, wie sonst nach einem Tag auf der Loipe.

Auch wenn in Paris die Regierungen jetzt beschlossen haben, den Klimawandel zu stoppen: Winterurlaub wird immer schwieriger zu planen. Da gilt es, Gelegenheiten zu nutzen, die sich bieten. Jedenfalls werde ich am 6. Februar bei der Winterwanderung von TURA im Harz mitmachen. Mit oder ohne Schnee.

Olaf Dilling - Umweltbeauftragter